ZEIT: Herr Haase, Sie haben von einer Kulturrevolution in der Berufsausbildung gesprochen. Was haben Sie denn von Marx und Mao gelernt?

Haase: Die Kulturrevolution besteht darin, daß die Gegensätze von Kapital und Arbeit durch neue Formen der Arbeitsorganisation aufgehoben werden, die das Mitdenken erlauben. Konkret heißt das, unternehmerische Kompetenzen müssen an die Basis verlagert werden, zum Beispiel durch Einführung von Gruppenorganisation bei klassischer Bandarbeit. Wobei es für mich einen Unterschied zwischen echter Gruppenarbeit und Arbeit in Gruppen gibt. Wenn die Gruppen weitgehend selbständig Abläufe, Material, Personal, Qualifikation planen, ausführen und kontrollieren, dann hebt sich der Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit ein Stück auf. Dann hat man den selbständigen Kleinunternehmer in einem Großbetrieb, und das ist eine Kulturrevolution.

ZEIT: Was muß ein idealer Lehrling von der Schule mitbringen, um für diese Revolution gerüstet zu sein?

Haase: Er muß fachlich vorbereitet sein, seine Muttersprache in Wort und Schrift beherrschen, und er sollte über eine Fremdsprache in eine andere Kultur eintauchen können. Wir testen aber auch die soziale Kompetenz der Bewerber.

ZEIT: Sie reden jetzt aber nicht von Hauptschülern.

Haase: Ich rede hier besonders von Abiturienten, aber diese Eigenschaften müssen im Prinzip auch Absolventen der Haupt- und Realschulen mitbringen.

ZEIT: Aber das Auto wird noch nicht von Abiturienten zusammengebaut.