Seit ich aus Florenz zurückgekehrt bin, ertappe ich mich vor allem beim Einkaufsbummel an langen Donnerstagen dabei, wie meine rechte Hand die Geldbörse in der Gesäßtasche meiner Hose fest umklammert.

Dieser Klammerzwang kommt nicht von ungefähr, sondern ist die Folge florentinischer Erfahrungen, die offenbar meine natürliche Motorik immer noch nachhaltig stören.

Ich meine jene Vorfälle, die sich ausnahmslos in Bussen der Linie 7 ereigneten, mit denen einige Florentiner und sehr viele Touristen zwischen Fiesole und dem Bahnhof befördert werden. In unserer Pension hatte ein handgeschriebener Zettel die deutschen Gäste in paramilitärischer Sprache gewarnt: "Achtung! Eine Bande von vier Taschendieben operiert zwischen den Bushaltestellen San Domenico und San Marco." Uns an der Haltestelle wartende Pensionsgäste beseelte nur ein Wunsch, nicht von einem borseggiatore ausgeplündert zu werden.

Gegen solch eine Katastrophe trafen wir unterschiedliche Vorsorge. Der eine überließ diese seiner Frau, die ihre Handtasche - gegen alle modische Konvention - mit beiden Händen vor ihrer Brust festhielt. Andere Männer waren Manns genug, ihre Brieftasche oder Geldbörse je nach Aufbewahrungsort in ihren Hosen vorne links oder rechts oder hinten links oder rechts selbst zu umklammern. Ein Einzelgänger verriet uns sein sicheres, wenn auch umständliches Geheimversteck: einen Brustbeutel, den er unter dem Hemd trug.

Wir enterten kampfbereit den inzwischen angekommenen Bus. Mein Blick fiel sofort auf einen Satz, den jemand - offenbar ein einheimisches Opfer - mit Filzstift groß und deutlich in eine reklamefreie Ecke geschrieben hatte: "Occhio alla borsa!" Dieser Warnung, auf die Geldbörse zu achten, folgte ich, indem ich meine in der hinteren rechten Hosentasche noch fester umklammerte.

Dennoch - in einer scharfen Kurve beidhändig Halt suchend, gab ich das Portemonnaie für einen Augenblick dem möglichen diebischen Zugriff preis.

Als ich Sekunden später meine Hand wieder schützend auf mein Eigentum legen wollte, traf sie in meiner Hosentasche eine fremde an: ein irritierendes, für mich völlig neuartiges Gefühl. Die zweite Hand zog sich blitzschnell zurück. Ihr Besitzer schaute gelangweilt, vornehm, goldbebrillt nach draußen und stieg an der Haltestelle San Marco aus.