MAGDEBURG. - Für die Ufa war es ein Schnäppchen: Der Hamburger Kinokonzern sicherte sich die Lichtspielhäuser in der Region Magdeburg. Die örtliche Treuhandniederlassung verscherbelte die Kinos im Paket; Mitbewerber Hans-Joachim Flebbe, der ebenfalls kaufen wollte und sogar einige hunderttausend Mark mehr geboten hatte, ging leer aus.

Ob sich die Investition für die Ufa lohnen wird, muß sich zeigen. Denn die Hutschachtelkinos aus DDR-Zeiten waren bisher selten Zuschauermagneten. Vielleicht stehen sie bald völlig leer: Die Konkurrenz gräbt nämlich schon die Startlöcher, um Magdeburg zu einer ostdeutschen Hochburg der Omni- und Multiplex-Kinopaläste zu machen.

Die Aussicht auf eine flimmernde Zukunft, die die verödete Innenstadt des Abends ein wenig beleben könnte, freut Magdeburgs Stadtväter. Auf keinen Fall wollen sie sich diese Zukunft durch den Nachbarkreis vermiesen lassen: Magdeburgs sozialdemokratischer Oberbürgermeister Willi Polte zettelte deshalb einen Kinokrieg gegen den Ohrekreis und seinen christdemokratischen Landrat Thomas Webel an.

Der Nachbar hatte nämlich auch vom bevorstehenden Kinoboom profitieren wollen und dem US-Konzern Warner Brothers ein Kinozentrum auf der grünen Wiese genehmigt. OB Polte fürchtet, daß die Investitionspläne von Warner Brothers den Magdeburgern Kinotraum vereiteln könnten.

Dort gräbt nämlich in Bahnhofsnähe der Treuhand-Unterlegene Hans-Joachim Flebbe schon ein tiefes Loch, aus dem sich im September kommenden Jahres ein dreißig Millionen Mark teurer Kinopalast mit 2700 Plätzen erheben soll. Zwei dieser Säle sollen mit Leinwänden von jeweils 9 mal 22 Metern ausgestattet werden und damit, so verspricht der Chef der Cinemaxx-Gruppe Flebbe, "die größten Schauflächen zwischen Berlin und Hannover" werden.

Ähnlich definieren auch andere in Deutschland tätige Kinogiganten Magdeburgs Einzugsgebiet als Kinohauptstadt. Die in Hannover ansässige Omniplex-Gruppe plant in Randlage der Magdeburger City einen Kinopalast mit 2500 Plätzen, und die Ufa möchte mit einem 1700-Plätze-Haus in Rathausnähe die drohende Konkurrenz für ihre Hutschachtelkinos attackieren. Geplante Fertigstellung beider Projekte: ebenfalls Herbst 1996.

Diese schönen Großinvestitionen sollten der Nachbarkreis und Warner Brothers bitte schön nicht gefährden, fand der Magdeburger Stadtvorsteher Polte. Regierungspräsident Wolfgang Böhm zeigte dafür Verständnis und hob die vom Ohrekreis bereits erteilte Baugenehmigung für den Kinopalast auf der grünen Wiese wieder auf. Das Projekt, so begründete Böhm seinen Bescheid, verstoße gegen die Raumordnungs- und Bauplanung des Landes Sachsen-Anhalt.