HAMBURG/KIEL. - Es wird zu wenig gedankt in Deutschland. Besonders der Bundesbahn wird fast nie gedankt. Weil es so einfach ist, sich über sie lustig zu machen. Weil man so oft mit eingeseiften Fingern in einer nur mittelsauberen DB-Toilette steht und der Hahn das Wasser verweigert. Weil die Heizung uns im Sommer brät, im Winter brät, einfach immer brät. Oder gar nicht funktioniert. Weil - aber da geht es schon wieder los. Nein, heute wird nicht gemeckert (nicht über Verspätungen, nicht über Fahrpreise, nicht über McDonald's, nicht über fehlende Papierkörbe). Heute wird gelobt, jubiliert und gedankt: Danke!

Danke, Bundesbahn, für die Elektrifizierung der Strecke Hamburg-Kiel (beide Richtungen). Danke! Alles hat sich gelohnt: das ewige Warten, die Sonderfahrpläne, das Chaos in Altona. Sogar das außerplanmäßige Umsteigen im "Scheiß-Pinneberg" (taz). Denn seit dem 24. September kann man in einer Stunde und sechzehn Minuten (bisher: eine Stunde, vierzig Minuten; Umsteigen) von Kiel nach Hamburg fahren, einfach so. Mit dem ICE dauert es sogar nur eine Stunde und eine Minute. In 61 Minuten vom nebligen Rand Europas in die Metropole! In 61 Minuten von der Metropole an den Ostseestrand! Bis jetzt klappt auch alles ganz hervorragend. Nur neulich, da blieb der Zug (es war einer von diesen "Interregios" mit den unbequemen grünen Sitzen) einfach zehn Minuten lang im Dunkeln stehen, irgendwo zwischen Elmshorn und Wrist. Vielleicht hatte er einen Moment lang vergessen, daß er jetzt elektrisch fährt. Schließlich muß er sich erst gewöhnen. Wir aber, wir haben uns schon gewöhnt und sind der Freude voll.