Detlef Bartsch klimpert mit seinem Schlüsselbund wie ein Schloßherr beim Gang durch seine Gemächer. Nur sind die Flure der Abteilung Biologie V in der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen wenig romantisch. Verschlossene Türen, nüchterne Laborräume links und rechts, am Schwarzen Brett Zeitungsausschnitte von den jüngsten Protesten - so geht es bis zu den Gewächshäusern: "S 1, Zutritt nur für autorisierte Personen". Der Schloßherr öffnet.

"Es geht schon lange nicht mehr darum, ob wir Gentechnik wollen oder nicht. Es geht vielmehr darum, wie wir sie wollen", stellt Bartsch fest und wuchtet einen schwarzen Plastiktopf vom Tisch. Die rötliche Pflanze mit den dicken Blättern ist eine Kreuzung aus Roter Bete und Zuckerrübe, eine Hybride, wie sie Biologen nennen. Eigentlich nichts seltenes auf den Äckern der Zuckerrübenbauern, denn die Rüben sind mit Roter Bete und Mangold eng verwandt. Die Pflanze im Gewächshaus, an der Bartsch penibel herumzupft, ist allerdings genetisch verändert. Ist sie jetzt gefährlich? Wächst sie zum Beispiel im Freiland besser als die ursprünglichen Kulturrüben? Und überträgt sich das neue Gen auch auf andere Pflanzen oder Mikroorganismen?

Das sind Fragen, die den Ökologen Bartsch und sein Team brennend interessieren - aber nicht nur ihn. In diesem Sommer zertrampelten vermummte Gentechnikgegner seinen Versuchsacker. Ausgerissene Pflanzen liegen im Matsch des doppelt eingezäunten Geländes, dazwischen keimt Gras. Die Autonomen, Bartschs Widersacher, haben es ausgesät, um spätere Versuche zu stören. Der Grasteppich soll künftigen Versuchspflänzchen Licht, Luft und Wasser nehmen.

Bartsch ist enttäuscht: "Wir haben so viel Öffentlichkeitsarbeit gemacht, aber die lassen einfach nicht mit sich reden." Der Aachener Ökologe ist bisher der erste deutsche Wissenschaftler, der auf einem industrieunabhängigen Versuchsfeld die Auswirkungen gentechnisch veränderter Nutzpflanzen auf die Umwelt untersuchen möchte. Doch seinem Vorhaben ist wenig Glück beschieden: Auch sein zweiter Versuchsacker bei Mainz ist inzwischen zur Hälfte zertrampelt.

Da kann Detlef Bartsch noch so sehr beteuern, daß seine Versuche ungefährlich seien. Seine Zuckerrüben sind gentechnisch immun gegen die gefürchtete Wurzelbärtigkeit und sollten zum ersten Mal im Freiland durchblühen. Gefährlich wären die Hybriden, die dabei entstehen, vor allem dann, wenn sie kräftiger und schneller wüchsen als die unmanipulierten Pflanzen. In Vorversuchen fand Bartsch allerdings heraus, daß das neue Gen den Pflanzen keine besonderen Vorteile verschafft. Im Gegenteil, die Mischlinge sehen eher kümmerlich aus, denn die gentechnisch veränderten Zuckerrüben wurden bisher noch nicht auf Hochleistung getrimmt.

Auch Jörg Bernhard vom BUND in Bonn gibt zu, daß Detlef Bartsch "richtig gefährliche Sachen" gar nicht macht, ja gar nicht machen kann. Doch dem Naturschützer mißfällt am Aachener Forschungsprojekt, daß es im Ergebnis die veränderten Zuckerrüben akzeptabel machen könnte. Dann ginge es nämlich so weiter wie bisher mit der industrialisierten Landwirtschaft und mit der Überproduktion in Europa. "Und der Ökologe Bartsch unterstützt das auch noch", schimpft Bernhard.

An der biologischen Sicherheitsforschung reiben sich sowohl Gegner als auch Befürworter der landwirtschaftlichen Gentechnik. Die einen lehnen die Forschung ab, weil sie zeigen könnte, daß manche der veränderten Pflanzen gar nicht so gefährlich sind. Die anderen, weil sie vor allem Zeit kostet. Und mancher Wirtschaftsvertreter drängt mit Blick auf den "Standort Deutschland" auf ein schnelles Ende der Risikodebatte.