Wenn man sich selbständig machen will, dann ist eine gute Idee durchaus hilfreich. Sonst kann ähnliches passieren wie nach der Wende in Ostdeutschland, als jeder dritte einen Imbißstand eröffnete: Außer Spesen nichts gewesen.

Der Variierer

Der 29jährige Peer Wagner aus Leipzig ersann angesichts wachsender Fast-food-Konkurrenz und immer seltener erteilter Imbißstand-Genehmigungen eine "Variante", wie man in Sachsen sagt: einen "Bratwurstbauchladen" - mit dem er sich überall hinstellen kann, wo gerade was los ist. Peer Wagner braucht dafür nicht nur keine Standgebühren zu zahlen, mit seiner auffälligen Konstruktion zieht er so viele Neugierige an, daß die Ladenbesitzer - in der Hallenser Fußgängerzone zum Beispiel - ihn geradezu einladen, sich vor ihren Geschäften aufzustellen.

Der Bauchladen besteht aus vier Campingkühlakkus, einer Gasflasche, dem Grill, einem Sonnenschirm und den Tragegurten. Einschließlich der Ware - achtzig Würstchen (aus dem Ruhrgebiet), Altenburger Senf, Ketchup aus Rostock und einem Haufen Brötchen - wiegt alles zusammen rund dreißig Kilogramm. Und nichts davon darf während des Verkaufsvorgangs den Boden berühren: "Das ist der Knackpunkt!" Nötig ist also ein tragfähiger Verkäufer.

Interessierte Kunden, so Wagner, fragten immer wieder: "Ist das nicht zu schwer auf die Dauer?" - Die Antwort "Mit jeder Wurst wird's leichter!" hat sich der Erfinder des Bratwurstbauchladens quasi mitpatentieren lassen. Neben dem Gebrauchsmuster hat er auch noch sein Warenzeichen, das unter anderem die T-Shirts des Verkaufspersonals ziert, geschützt und für die technische Konstruktion ein Euro-Patent (PCT/EP/94/00857) erworben.

Peer Wagner ist gelernter Elektriker. Zuletzt arbeitete er am Leipziger Opernhaus. Kurz vor der Wende reiste er mit dem Zug über Prag aus - und landete in Bayern, wo er sich sofort gut einlebte. Als die Wiedervereinigung abzusehen war, sagte er sich jedoch: "Die Heimat ist Leipzig, und wenn da die gleichen Bedingungen wie in Passau herrschen . . ."

Wieder zu Hause, kaufte Peer Wagner einen Wohnwagen, den er zu einem Imbißstand ausbaute, und besorgte sich eine Reisegewerbekarte. Den Imbißwagen hängte er hinter seinen Audi, den er aus dem Westen mitgebracht hatte. "Das ging eine Zeitlang ganz gut. Es blieben bei einer Sechstagewoche jeden Monat rund 2000 Mark zum Leben übrig." Doch dann seien die Zeiten schlechter geworden, immer mehr Betriebe hätten dichtgemacht, Arbeiter entlassen, "Kunden, die uns dann fehlten".