Nein, wir photographieren nicht gern. Zumal wir in dieser Hinsicht nicht gerade künstlerisch beschlagen sind und man unsere zweifelhaften Versuche mit der Kamera denn auch eher mit dem Begriff "knipsen" belegen könnte. Bevor wir also, wie früher mehrfach geschehen, einen sechsunddreißiger Film komplett versauen, lassen wir's lieber bleiben und kaufen am Urlaubsort einfach einen Satz Ansichtskarten.

Unangenehmerweise geraten wir trotz dieses gespannten Verhältnisses zur Bildherstellung pausenlos an Leute, die ihrerseits das Ablichten landschaftlicher Attraktionen akribisch betreiben und uns die Früchte dieser Leidenschaft öfter als uns lieb ist unter die Nase halten.

Palmenstrände und gotische Kathedralen interessieren uns, wie gesagt, nicht die Bohne. Wofür wir hingegen eine Schwäche haben, sind Aufnahmen von Filmstars oder gekrönten Häuptern. Man mag uns ruhig Voyeurismus unterstellen, aber wir finden es unheimlich spannend, wie Cary Grant in der Badehose aussah oder Liz Taylor vorm ersten Lifting. Übrigens auch der Grund, warum wir heimlich Klatschmagazine kaufen.

Doch nun Adieu, ihr billigen Paparazzi-Produktionen. Ab in den Papierkorb. Denn etwas Wunderbares hat sich ereignet: Unsere Lieblingskönigin öffnet ihr privates Familienalbum und enthüllt all die geheimen Schätze, auf die wir so lange untertänigst gewartet haben. Herrlich, vielleicht die junge Elizabeth im Sommerkleid oder frühe Schnappschüsse des Gatten, der vor Jahr und Tag ja mal ziemlich schneidig aussah. Charles & Eddie als kleine Jungs im Matrosenanzug. Anne, in königlichen Windeln, abgelichtet von den stolzen Eltern mit der privaten Box. Am Ende sogar der verstoßene Onkel, der damals diese romantische Abdankungsgeschichte hingelegt hat.

Natürlich besitzen wir längst alles, was so an Biographien über Windsors in Umlauf ist. Doch zeigen diese reich illustrierten Bände leider ausschließlich Aufnahmen, die im Zweifelsfall auch an die Frau im Spiegel verscherbelt wurden, nicht wahr, und das gibt einem nun wirklich nicht den ersehnten Kick.

Den hatten wir uns jetzt von Majestät erhofft. Wir sahen uns nämlich schon, ihr zu Füßen gelagert, bei Orange Pekoe und Gurkenschnittchen in trauter Zweisamkeit Familienphotos austauschen. Doch wie das so ist mit Herzenswünschen, sie erfüllen sich nie. Wir, also die bewundernden Massen, bekommen wie immer nur das, was uns zusteht: exakt fünfunddreißig Bilder, nicht mehr und nicht weniger. Zu allem Überfluß auch noch ziemlich langweilige. Queen Mum und Daddy als verlobtes Paar zum Beispiel, Lisbeth im zarten Alter von zwei Jahren, die alte Victoria inmitten ihrer Enkelschar und so weiter. Das Ganze präsentiert in einer schlichten Ausstellung (täglich geöffnet von halb zehn bis halb fünf), für die man tatsächlich bis nach Edinburgh hochtoben muß. Und, natürlich: Eintritt fünf Pfund.

Ach Madam, unsere Oma hätten Sie umsonst gekriegt.