Erstmals hat ein deutsches Gericht jetzt den Etikettenschwindel mit Last-Minute-Reisen eingeschränkt.

Das Landgericht Düsseldorf sah in der weithin üblichen Praxis, Last-Minute-Angebote schon vier Wochen oder gar drei Monate vor dem Abreisetermin auf den Markt zu werfen, eine Irreführung der Verbraucher und damit einen Verstoß gegen das Wettbewerbsgesetz. In seinem Urteil verlangt das Gericht, daß Last Minute wörtlich zu nehmen sei und nicht nur ein beliebiges Sonderangebot anpreist. Ein Reisebüro am Düsseldorfer Flughafen darf deshalb mit dem Prädikat frühestens zwei Wochen vor der Abreise werben.

Der Baden-Badener Last-Minute-Veranstalter L'Tur hatte gegen das kleine Unternehmen Airport Service 2000 aus Düsseldorf auf Unterlassung geklagt und bekam Recht. "Uns geht es um Markthygiene", sagt L'Tur-Sprecher Markus Faller, dessen Firma noch zwei weitere Prozesse gegen andere Konkurrenten angestrengt hat.

"Der Begriff ist doch sowieso total verwässert", kritisiert dagegen Hermann Aubel, Chef von Airport Service 2000. "Das Urteil ist so überflüssig wie ein Kropf." Aus Furcht vor weiteren Prozeßkosten scheut Aubel jedoch den Gang in die nächste Instanz. Er unterstellt L'Tur, "daß die sich den Wehrlosesten als Prozeßgegner ausgesucht haben".

In der Tat war der Prozeß, der Signalwirkung für die gesamte Branche haben dürfte, auch ein Kampf zwischen David und Goliath. L'Tur schickte in diesem Jahr über 300 000 Kurzentschlossene in die Ferien und ist damit Europas größter Veranstalter in diesem ständig wachsenden Marktsegment.

Mit dem Prozeßerfolg könnte L'Tur seine firmeneigene Definition von Last Minute als bundesweiten Standard durchsetzen, solange kein Urteil einer höheren Instanz vorliegt. Direkt betroffen von dem Düsseldorfer Urteil ist zwar zunächst nur der Airport Service 2000. Der Deutsche Reisebüro-Verband (DRV) erwartet aber, daß viele Anbieter mit dem Begriff jetzt zurückhaltender umgehen werden. "Die Ampel springt auf Gelb", meint DRV-Geschäftsführer Burkhard Nipper.

Auch der Branchenverband setzt sich dafür ein, den in der Vergangenheit völlig verwässerten Begriff Last Minute präziser zu definieren. "Unser Ziel ist aber keine starre Regel", sagt Nipper. Dafür seien die angebotenen Reisen zu unterschiedlich.