Klaus Bednarz ist anders. Er sitzt in seinem vollgestopften Büro. Spricht ruhig, konzentriert, präzise. Keine Allüren. Keine Attitüde.

Es läuft ja keine Kamera.

Klaus Bednarz weiß, daß er nicht oft anders sein kann. Wer zwölf Jahre lang "Monitor" geleitet und präsentiert hat, ist eine Figur gleichsam in öffentlichem Besitz. In diesem Fall: eine Reizfigur. Er hat sich der Öffentlichkeit aufgedrängt, und nun identifiziert sie ihn mit seinem Job. So wie auch er das selber tut.

Behagen bereitet ihm dies sichtlich nicht. Nur: Es ist "unvermeidlich". Unvermeidlich, "wenn man es ernst meint" mit Menschenrechten, Minderheiten, sozialem Engagement, dieser Republik. Und daß Klaus Bednarz es ernst meint, das hat ihm nun wirklich noch niemand bestritten.

Missionarischen Eifer gar haben ihm viele vorgehalten. Das will ihm nicht gefallen. Daß er aber vor der Kamera wie mit dem Zeigefinger rede, nun ja. Wo einer so Partei nimmt wie er, "schlägt sich das fast zwangsläufig in der physischen Attitüde nieder".

Wenn am Donnerstag dieser Woche "Monitor" gelaufen ist, hat es der Westdeutsche Rundfunk 400mal geschafft, sein zeitkritisches politisches Magazin unters Volk zu bringen. Bednarz' Rekord steht dann ungefähr bei 150. Und vermutlich wird's auch wieder Ärger geben. Zum 40. Jahrestag der Bundeswehr - Großer Zapfenstreich in Bonn - wird dem Pazifisten schon noch etwas eingefallen sein. Vor zehn Jahren hat er Wolfgang Borcherts "Sag Nein!" von Bernhard Wicki vorlesen lassen.

400mal "Monitor", das heißt: 400mal Ärger, 400mal Aufsehen, 400mal publizistisches Begleitgeschrei. Vor allem die konservativen Zeitgenossen haben stets zuverlässig reagiert. Der Bayernkurier, der Rheinische Merkur und die Welt zählen zu den treuesten Weggefährten des Magazins. Ihre Reflexe blieben immer gleich und gehören zur Wirkungsgeschichte von "Monitor": "einseitig", "unredliche Kampagne", "Geheimnisverrat", "Richter und Hinrichter in einem" - das sind über Jahrzehnte wiederkehrende Etikettierungen. Auch der jeweilige Bundesverteidigungsminister und neuerdings der Bundeskanzler sowie Bayerns Regierungschef waren und sind unter den getreuen Protestanten.