Nun ist es doch noch zum Oktobercrash an der deutschen Börse gekommen, wenn auch nur zu einem kleinen. Nachdem der Dollar die Marke von 1,40 Mark mühelos nach unten durchbrochen hatte, gab es auch am Aktienmarkt vorübergehend kein Halten mehr. Allein am Montag stürzte das Kursbarometer - der Deutsche Aktienindex (Dax) - um knapp drei Prozent oder sechzig Punkte in die Tiefe. Damit verlor der Dax innerhalb einer Woche fast hundert Indexpunkte.

Die starke Mark, die gegenüber allen wichtigen Währungen zugelegt hat, verschlechtert die Exportchancen der Unternehmen. Folglich waren besonders die Aktien der Automobilindustrie, des Maschinenbaus, der Elektronik sowie der Chemie von dem Kursrutsch betroffen. Ein Schuldiger für die neuerwachte Stärke der Mark ist bereits ausgemacht: Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer. Dieser hatte erklärt, eine überbewertete Mark sei grundsätzlich positiv zu beurteilen, da sie Ausdruck des Vertrauens der Märkte sei. Dies nahmen die Devisenhändler als Signal dafür, daß die Notenbanken nichts gegen eine weitere Stärkung der Mark unternehmen würden.

Zunächst hat sich die Lage an der deutschen Börse stabilisiert, aber von Kursentwicklungen wie an der New Yorker oder der Londoner Börse, die neue Rekordhöhen erreichten, ist man in Frankfurt weit entfernt. Auch die freundlichen Kurse am deutschen Rentenmarkt konnten den Aktienmarkt nicht aus seiner Lethargie reißen.

Einziger Lichtblick in der vergangenen Woche war der Börsengang von Merck. Die größte Neuemission der Nachkriegszeit fand ein positives Echo. Die erste Notiz lag bei 56,80 Mark, fünf Prozent über dem Ausgabepreis. Im November werden voraussichtlich drei weitere Unternehmen an den Aktienmarkt kommen: eff-eff, Creaton und Adidas. In bezug auf Adidas gibt man sich auf dem Parkett allerdings skeptisch. Der Börsengang führt dem Unternehmen kein frisches Kapital zu. Die Eigner wollen lediglich Kasse machen - und zwar schnell: Während sich Großaktionäre normalerweise verpflichten, zwölf bis achtzehn Monate nach der Emission keine weiteren Aktien über die Börse zu verkaufen, wollen die Eigentümer von Adidas sich nur auf sechs Monate festlegen. Keine guten Vorzeichen für Kleinaktionäre.