Ulrich Goerdten: "Trauriges Ende eines schönen Traums", ZEIT Nr.41

Der Autor setzt mit seinem Beitrag einen in der Presse schon mehrfach ausgetragenen Streit um das gigantische Mikrofiche-Unternehmen der "Bibliothek der Deutschen Literatur" (BDL) fort. Bei allem Respekt vor dem gelehrten und bewährten Scharfsinn des Kritikers, sein vernichtendes Urteil ähnelt allzu fatal der Behauptung, der ganze Wald tauge nicht, weil es in ihm kranke Bäume gibt.

Unbestritten - die BDL hat Mängel, sogar solche, die bei größerem Aufwand, der freilich den Verkaufspreis verteuert hätte, zu vermeiden gewesen wären. Aber insgesamt handelt es sich um ein Unternehmen, das für alle historischen Disziplinen, nicht nur für die Philologie, größten Nutzen stiftet - nicht zuletzt durch das Angebot, die Fiches zu einzelnen Autoren, Epochen oder Gattungen separat zu erwerben. So kann sich der Forscher, den Schwerpunkten seiner Arbeit entsprechend, für ein paar Mark einen ihm sonst unerreichbaren Quellenfundus zusammenstellen. Erwähnt sei wenigstens noch, wie viele Nöte der Textbeschaffung der sogenannten Auslandsgermanistik das Textcorpus der BDL behebt.

Prof. Dr. Hans-Albrecht Koch, Bremen

Bei aller Kritik darf nicht zugedeckt werden, daß die Mikrofiche-Edition "BiblioThek der DeuTschen LiTeraTur" keineswegs das Ende, sondern weitgehend die Erfüllung eines schönen Traumes ist. Das Unternehmen wird nicht durch seine schrecklichen Mängel definiert, sondern durch die gelungene Präsentation von vielen tausend Druckwerken, die anders großenteils nur mit Mühe oder gar nicht zu erreichen sind. Und da jedes Buch nur eine sehr begrenzte Zahl von Lekturen erträgt, bevor es ermüdet oder ganz zugrunde geht, wird künftig die Erreichbarkeit von Originalen immer schwieriger werden.

Adrian Braunbehrens, Heidelberg

Jedem Antiquariatslehrling und Büchersammler ist bekannt, daß der sogenannte "Taschengoedeke" ein nicht durchaus verläßliches Nachschlagewerk ist; auch sein Herausgeber wußte es. Man benutzt ihn dennoch, weil es derart Handliches sonst nicht gibt. Als kritisch gebrauchter Leitfaden für eine "Bibliothek der deutschen Literatur" kann er gelten. Wenn man aber, wie Goerdten es tut, ihn zur Grundlage für unfreundliche Zahlenspiele macht, so sollte man nicht blind abzählen, sondern bemerken, daß er eine Vielzahl von Titeln enthält, nicht zuletzt auch Übersetzungen, die in keine "Bibliothek der deutschen Literatur" gehören.