Ich weiß jetzt, was ich kann", sagt Kevser Dagli selbstbewußt. "Ich kann zu einem Thema, das mich interessiert, sinnvolle Fragestellungen finden. Ich kann mir Literatur suchen und prüfen, ob sie mir für die Klärung meiner Fragen hilft. Ich kann die Ergebnisse aufschreiben und präsentieren, so daß andere verstehen, was ich meine. Ich glaube, ich bin gut vorbereitet für die Universität." Als Kevser dies sagte, stand sie kurz vor dem Abitur. Sie hat es inzwischen mit Bravour bewältigt. Noch zu Beginn der 11. Klasse war sie nach meiner Erinnerung ein eher zaghaftes türkisches Mädchen, das noch nicht herausgefunden hatte, wieviel es sich zutrauen konnte.

Was ist in den drei dazwischenliegenden Schuljahren geschehen? Kevser besucht die Max Brauer Schule, eine Gesamtschule im Hamburger Stadtteil Altona, in der Schülerinnen und Schüler von der Vorschule (Klasse 0) bis zum Abitur (Klasse 13) unterrichtet werden. Etwa 30 bis 40 Prozent der Jugendlichen haben einen nichtdeutschen Paß. In der gymnasialen Oberstufe ist der Anteil eher höher.

Neben den Gesamtschülern besuchen auch Gymnasiasten und gute Realschüler die Oberstufe, darunter etliche, die erst einige Jahre in Deutschland sind: eine multikulturelle, eine internationale Schule mit Schülern aus dreißig Nationen.

Vor drei Jahren hat die Max Brauer Schule ihre Oberstufe radikal verändert. Sie ist eine Profiloberstufe geworden. Das bedeutet: Im Jahrgang 12 und 13 werden je vier Fächer um ein Schwerpunktthema zu einem "Profil" gebündelt. An der Max Brauer Schule gibt es die folgenden Profile:

- Umwelt: Dazu gehören die Leistungskurse Biologie und Erdkunde sowie die Grundkurse Religion (2 Jahre), Physik und Chemie (je 1 Jahr).

- Sprachen und Kulturenvielfalt: Dazu gehören die Leistungskurse Englisch oder Spanisch und Geschichte sowie die Grundkurse Musik und Religion.

- Kommunikation: Dazu gehören die Leistungskurse Deutsch und Kunst sowie der Grundkurs Philosophie (2 Jahre) und Informatik oder Mathematik (je 1 Jahr). Die "Profile" umfassen etwa die Hälfte der Unterrichtsstunden. Für die andere Hälfte wählen die Schüler Fächer im Rahmen der von den Kultusministern vorgegebenen Regelungen, also: Mathematik, Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Sport und so weiter.