Wieder einmal hat sich ein Industriezweig angestrengt, uns das Leben zu erleichtern. Mit "großer Mehrheit" haben die 240 in der Genossenschaft Deutscher Brunnen vereinten Abfüller von Mineralwasser beschlossen, der altbewährten Perlglas-Einheitsflasche eine neue Variante aus Plastik, kurz PET-Flasche genannt, hinzuzugesellen. Die Vorteile für leidgeprüfte Wasserträger, die sich mit schweren Kisten die Treppen hochmühen, liegen auf der Hand: Eine 1-Liter-PET-Flasche wiegt gerade 80 Gramm, die 0,7-Liter-Glasflasche bringt 600 Gramm auf die Waage. Selbst das seit 25 Jahren vorbildlich funktionierende Perlglas-Mehrwegsystem soll nachgebaut werden, auch die PET-Flasche könne bis zu dreißigmal wiederbefüllt werden, versprechen die Plastikfans.

Natürlich werden wir Verbraucher uns diese Erleichterung nicht entgehen lassen. Schließlich reißen wir dem Coca-Cola-Konzern nicht nur seine braune Brause, sondern auch sein Tafelwasser im PET-Behältnis aus der Hand. Zwar werden Großabfüller wie Branchenprimus Gerolsteiner vorerst nur die süßen, aromatisierten Mineralwässer in Plastik abfüllen, doch sie haben versprochen, daß wir nicht lange auf den transportoptimierten sauren PET-Sprudel warten müssen.

Angesichts so vieler Erleichterung können wir es verschmerzen, daß in der PET-Flasche nach dem Spülen ein zuckriger Nachgeschmack hängenbleibt. Und was kümmert es uns, daß kleine Brunnenbetriebe im Verein mit den Umweltschützern den Niedergang der Glasflasche beweinen? Die einen befürchten das Aus, weil sie sich keine teuren neuen Abfüllmaschinen leisten können; die anderen prophezeien, daß PET-Flaschentransporte der Umwelt Saures geben.

Daß uns Preis und Bequemlichkeit wichtiger sind als regionale Anbieter und die Natur, haben wir bei der Halbliter-Bierdose schon bewiesen: Auch bei deren unaufhaltsamem Vormarsch bleiben kleine Brauereien auf der Strecke, die Braukonzerne schicken ihre Dosen-Brummis in die hintersten Winkel der Republik. Handel und Wassermultis sind uneingeschränkt für PET. Was leichter ist, läßt sich auch billiger über größere Entfernungen transportieren. Wer wird sich da schon aufregen, daß er die Zeit, die er beim Wasserschleppen einspart, auf der Autobahn hinter noch mehr Lastern wieder verplempert.