Schnitt, das war's! Reporterin Claudia Dantschke dreht sich zu ihrem Kameramann und Chefredakteur Ali Yildirim um. Das Interview im Türkischen Wissenschafts- und Technologiezentrum der TU Berlin ist beendet. Der erste Termin von vielen an diesem Tag. Interviewpartnerin Hülya Yeçiltepe, Projektleiterin eines speziellen Aufbauprogrammes für nichtdeutsche Studenten, nickt zufrieden. Sie weiß, daß AYPA- TV das Gespräch fast ungekürzt senden wird.

Ausführliche Information, Toleranz gegenüber anderen Kulturen, Engagement für das deutsch-türkische Zusammenleben in Berlin - das sind die Markenzeichen des kleinsten türkischen Fernsehsenders in Deutschland. Nur zwei Menschen arbeiten hier: Claudia Dantschke, gebürtige Leipzigerin und studierte Arabistin, und der Türke Ali Yildirim, ehemaliger Berlin-Korrespondent der Zeitung Milliyet.

Seit dem 27. Februar 1993 sendet AYPA-TV, der "deutsch-türkische Berlin-Spiegel für alle, die toleranter sein wollen", im Spreekanal des Berliner Kabelnetzes, das etwa 1,3 Millionen Haushalte erreicht. Die beiden Journalisten sind täglich mehr als zwölf Stunden auf Achse, und das an sieben Tagen in der Woche. Schließlich müssen sie jeden Tag eine Stunde Sendezeit füllen.

"Unsere Redaktion ist dort, wo sich gerade etwas ereignet, die Konferenzen finden im Auto statt, auf dem Weg zum nächsten Termin", erklärt das Duo. Gesendet wird in deutsch und in türkisch.

Kennengelernt haben sich Claudia Dantschke und Ali Yildirim 1992 während einer Pressekonferenz. Die ehemalige Redakteurin der Nachrichtenagentur ADN, die kurze Zeit für den türkischen Kabelsender ATT gearbeitet hatte, wollte ambitionierter arbeiten. Ali Yildirim war der geeignete Partner und schließlich Namensgeber von AYPA - Ali Yildirims Presse-Agentur.

Die beiden wollen vor allem Verständnis für die verschiedenen Kulturen wecken, Kurden- und Migrationsprobleme nicht nur am Rande behandeln und dranbleiben an Themen, die andere Medien längst von ihrer Agenda gestrichen haben. Claudia Dantschke sagt: "Heute kann ich endlich angemessen und ausführlich über Themen von multikultureller Bedeutung berichten." Und: "Der deutsch-türkische Alltag, fremdländische Lebensweise und Kultur fristen im deutschen Fernsehen ein Schattendasein. Schlagzeilen verkaufen sich eben besser."

Die beiden Macher von AYPA-TV gelten heute als die Experten in deutsch-türkischen Fragen. "Wichtig ist dabei für uns, die Ereignisse im In- und Ausland nicht isoliert voneinander zu betrachten!" sagt Claudia Dantschke. "Das trifft vor allem dann zu, wenn politische Geschehnisse in der Türkei Konsequenzen für das deutsch-türkische Zusammenleben hier haben, wie zum Beispiel die Kurdenpolitik in der Türkei." Auch Themen wie "Fremdenhaß" und "doppelte Staatsbürgerschaft" gehören dazu.