NÜRNBERG. - So beispielhaft kann ein Projekt gar nicht sein, daß die Bayerische Staatsregierung nicht irgendwann auf die Idee käme, die Mittel dafür zu streichen. Jüngstes Opfer dieser Sparpolitik droht nun ein Modellversuch zu werden, der arbeitslose Jugendliche nicht nur punktuell mit einer AB-Maßnahme fördert, sondern sie auch mit einem Begleitprogramm an die Arbeitswelt heranführt.

BOB heißt diese in Bayern einzigartige Initiative, die Arbeiten und soziales Lernen kombiniert; und obwohl auch im Münchner Sozialministerium anerkannt wird, daß sie "sehr gute Arbeit" leistet, soll ihr nun - peu a peu - der Geldhahn zugedreht werden. Bereits im laufenden Jahr erhielt BOB 120 000 Mark weniger aus dem Europäischen Sozialfond (ESF), und Ende 1996 soll es ganz vorbei sein mit den EU-Zuschüssen.

Bei der Noris-Arbeit (NoA), der städtischen Beschäftigungsgesellschaft in Nürnberg, die BOB aufgelegt hat, macht sich derweil Enttäuschung breit. "Das bedeutet das Aus für ein Projekt, in dem Jugendliche, die in der Bewerberschlange ganz hinten stehen, fit gemacht werden für einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz", erklärt NoA-Geschäftsführer Ulrich Scherfenberg. Noch einmal sei seine Organisation nicht in der Lage, das Projekt zu retten, indem sie massive Einsparungen in ihrem eigenen Etat vornehme wie in diesem Jahr. Ungläubiges Erstaunen auch bei den Jugendlichen, die, wie etwa die siebzehnjährige Frosina, über BOB eben noch ihren Hauptschulabschluß nachgeholt oder das eine oder andere Zertifikat erworben haben.

"Bei einigen von uns war halt schon ziemlich viel vermasselt, als wir hier ankamen", erzählt Frosina, die es der Noris-Arbeit hoch anrechnet, daß sie dort immer einen Ansprechpartner findet - auch für ganz persönliche Angelegenheiten. BOB versucht eben den Jugendlichen nicht nur "die soziale Eintrittskarte in die Berufswelt" zu vermitteln, wie Ulrich Scherfenberg das nennt, sondern ihnen auch in ihrer praktischen Lebensbewältigung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. In aller Regel nämlich ist die Arbeitslosigkeit nicht das einzige Problem, mit dem die jungen Leute bei der NoA eintreffen.

"Fast jeder oder jede zweite ist bereits in höherem Maße verschuldet", hat Alexander Schacht, ein Mitarbeiter der NoA, erkannt. Hinzu kämen Konflikte im Elternhaus, Vorstrafen, Anfälligkeiten für Alkohol und Drogen sowie so manche unbeantwortete Frage, was Sexualität oder auch Aids angeht. Hier versuchen die NoA-Sozialpädagogen zu helfen, so gut es eben geht; häufig ist schon viel erreicht, wenn es gelingt, einem verunsicherten Jugendlichen wieder ein halbwegs stabiles Selbstwertgefühl zu vermitteln - und sei es, daß er in einer der hauseigenen Werkstätten ein Schachbrett gebastelt hat.

Rund 800 000 Mark kostet der Modellversuch, an dem jeweils 60 Jugendliche ein Jahr lang teilnehmen können. Er ist eine Möglichkeit für diejenigen, die im Alter von fünfzehn oder sechzehn Jahren fast schon keine Chancen mehr haben. Grund genug, daß das Sozialministerium seine Haltung zu BOB noch einmal überdenken möge . . .