Dank der UN-Charta ruht die Last der Entscheidung für UN-Missionen nicht auf den Schultern des derzeitigen Generalsekretärs. Seine ungeheuerliche Bewertung der gescheiterten Einsätze in Somalia und Bosnien als "kleine Unfälle" zeugen nicht von großer Lernfähigkeit. Beiden Missionen lagen vollmundige, jedoch unklare Aufträge des Sicherheitsrates zugrunde. Butros-Ghalis "Agenda für den Frieden" hat 1992 zu dieser Interventionseuphorie und Aufkündigung der klassischen Peacekeeping-Grundsätze Konsensprinzip und Non-Enforcement beigetragen. Kulminationspunkte dieser Entwicklung waren die preisgegebenen Schutzzonen Srebrenica und Zepa. Sie schlicht zu unterschlagen und die Bosnien-Tragödie auf Sarajevo, wie die Somalias auf Mogadischu, zu verengen hilft nicht, die Image- und Vertrauenskrise der Vereinten Nationen zu überwinden, und wohl auch nicht, die schlechte Zahlungsmoral der reichen Mitgliedsländer zu verbessern.

Matthias Taube, Hamburg