Wie ist das so lustig, wenn bei Joachim Fuchsberger ein Ufo im Garten landet und er nicht weiß, was er machen soll. Oder wenn Karin Tietze-Ludwig zu spät zu einem Opernballauftritt kommt und auch nicht weiß, was sie machen soll. Wahlweise kann es auch lustig sein, wenn Jennifer Rush mit dem Fahrstuhl steckenbleibt und überhaupt nicht mehr weiß, was sie machen soll. Hauptsache, irgendein Prominenter weiß in irgendeiner Situation nicht mehr, was er machen soll. Das reicht schon. Das ist dann "versteckte Kamera".

Im deutschen Fernsehen werden momentan so viele Kameras versteckt, daß man glaubt, es sei Ostern. Dabei ist erst Herbst. Aber das macht nichts. Kameras kann man nie genug verstecken. Wenn man sie versteckt hat, dann muß man ein zweihundert Mann starkes Team um sie herumscharen, die alle "die Eingeweihten" sind. Oder "die Lockvögel". Die Lockvögel müssen immer möglichst auffällig gekleidet sein und sich dämlich benehmen. Am besten ist, sie schreien wild herum oder werfen ein ganzes Porzellanservice auf den Boden. Das machen Lockvögel so. Das ist witzig. Und dann müssen die Lockvögel natürlich noch herumrennen und locken, was das Zeug hält. Prominente nämlich.

Beispielsweise G. G. Anderson. Den lockt zum Beispiel eine scheinschwangere weibliche Lockvögelin in ein Krankenhaus, wo ein scheinbarer Arzt-Lockvogel und ein Haufen scheinbarer Krankenhauspersonal-Lockvögel noch zehn Minuten weiterlocken dürfen, bis Herr Anderson nicht mehr weiß, was er machen soll. Dann darf Fritz Egner ins Bild sprinten und "Haha, Versteckte Kamera!" rufen. Witzig!

Natürlich kann Fritz Egner auch etwas anderes rufen, wenn die Sendung anders heißt. Manchmal heißt die Sendung ja schließlich nicht "Versteckte Kamera", sondern lieber "Verstehen Sie Spaß?" oder "April, April" oder so. Und statt G. G. Anderson wird lieber Katja Ebstein angelockt. Oder die Sendung heißt "Voll erwischt", und Pit Weyrich ruft: "Haha, Voll erwischt!". Manchmal ruft auch jemand "Haha, Vorsicht Kamera!" oder "Haha, Bitte lächeln!", oder wenn es ganz arg Sommer ist und sonst wirklich niemand anderer Zeit hat zum Kameraverstecken, dann darf sogar der Mike Krüger etwas rufen. "Haha, Sonnenstich!" nämlich. Und dann wissen wir: Soeben hat wieder auf irgendeinem Sender irgendein armer Prominenter in Deutschland vor laufender Kamera nicht mehr gewußt, was er machen soll. Und dann lachen wir alle.

Und weil uns das so gefällt, schnappen wir uns gleich nachher unsere eigene Kamera und drehen ein Home-Video, auf dem zu sehen ist, wie Onkel Heinrich beim Bierfaßanstich volle Kanne naß wird. Oder wie die kleine Heidi dem Hund hinterherläuft und dabei voll auf ihre kleine Fresse fällt. Und den fertigen Film schicken wir dann zu einer dieser lustigen "Home-Video"-Shows, die gerade wie Kameras aus den Verstecken wachsen. Und dann gewinnen wir wahlweise eine häßliche "Home-Video"-Preis-Statuette oder einen silbernen "Pleiten, Pech und Pannen"-Pechvogel oder auch ein paar tausend Mark in bar.

Anschließend dürfen wir uns dann noch ein paar gelungene Filme mit sich überschlagenden Skifahrern und sich überschlagenden Eiskunstläufern anschauen und uns vor Heiterkeit selbst überschlagen.

Und wenn wir dann am Ende aller Kamera- und Videoshows unser Fernsehgerät ausschalten, dann träumen wir selig von versteckten Kameras allüberall und hoffen, daß wir eines Tages auch einmal total hereingelegt und veräppelt zwischen einer Horde von 200 Lockvögeln stehen dürfen. Denn das ist wahre Berühmtheit im deutschen Fernsehen: einmal als Opfer vor der Kamera und nicht wissen, was tun.