Im Jahre 1984 bescherte Steve Jobs der Firma Apple den Wunderrechner Macintosh und damit den Ruhm, von dem sie nun noch während ihres Abstiegs zehren kann. Mit kaum mehr als drei guten Ideen bewaffnet, peitschte Jobs seine Leute zu dieser Höchstleistung.

Im Jahre 1988 schuf Steve Jobs mit seiner eigenen Firma Next einen allseits bestaunten würfelförmigen Computer, den niemand so recht haben wollte. Drei weitere gute Ideen und ein Spitzenteam von Entwicklern waren nicht genug gewesen.

Visionären Produkten wie dem Next sagt man später gern nach, daß sie ihrer Zeit allzuweit voraus waren. Was Unfug ist. Zu einem Preis niedriger als der eines Apple-Rechners und ausgestattet mit gängiger Massentechnologie statt mit anfälliger Magneto-Optik, hätte der Next schon 1988 alle Apples übertrumpfen können.

Solche Überlegungen müssen Jean-Louis Gassée geplagt haben, der bei Apple einstmals die Aufgabe gehabt hatte, die Visionen von Jobs in gute Verkaufszahlen zu verwandeln. Angefangen hatte Gassée als der große Promoter, dem der Erfolg der Apple-Computer in Frankreich zu danken war. Dann beging er den Fehler, seine Rechner als ideale Allzweckmaschinchen fürs Büro anzupreisen, erlitt Schiffbruch damit und mußte gehen.

Seither lamentiert er in der Libération regelmäßig über das ungerechte Amerika, und nebenbei propagierte er im selben Blatt seine Vorstellung von einem "richtigen Rechner".

Immerhin war Gassée konsequent: Er gründete eine Firma namens Be und machte sich auf, diesen Rechner zu bauen. Das Ziel: eine superschnelle Workstation, die weniger kostet als ein PC. Alles dem Next nachgebaut, nur mit möglichst billigen Standardbauteilen. Seit Freitag, dem 13. Oktober, ist zu sehen, was herausgekommen ist: die Be Box.

Das Äußere stammt von Frogdesign, im Inneren treiben zwei PowerPC-Prozessoren von Motorola ein eigenes Be-Betriebssystem an. Dieses System ist angesiedelt irgendwo zwischen Unix und dem Mac-OS von Apple. Es ist so neu, daß es noch keine Programme dafür gibt, und so fortgeschritten, daß es die alten, die immerhin da sind, nicht mehr zuläßt. Programme aus der Windows- oder Mac-Welt können unter dem neuen System nicht starten: to Be or not to Be. Trotzdem wird die Be Box in Frankreich tüchtig gefeiert, besonders von der Libération: endlich mal was Neues. Ein Blick auf die Preise zeigt jedoch, wie schmal der Grat zwischen Sein und Nichtsein ist. Rund 4000 Mark soll das komplette System kosten, für 2400 Mark soll man den bloßen Rechner ohne Bildschirm, Festplatte und Tastatur erwerben können. Sonderlich günstig ist das nicht.