Mehr als 3800 Gewehre, 4000 Pistolen, Tausende Schwerter und Lanzen, Hunderte Rüstungen - das Landeszeughaus in Graz bietet einen erschreckenden Einblick in den Stand der Bewaffnung der Steiermark zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Die kundigen Führer erklären jedes Gerät, jeden zwischen Renaissance und Barock zur Tötung erforderlichen Handgriff; sie kennen sich aus mit Perkussions- und Radschlössern, mit Zündstiftpatronen und Rollkugeln.

Eine gespenstische Parade. Meterlange Gänge mit im vorigen Jahrhundert um ein paar Meter gekürzten Lanzen. Große Treppen, über die Landsknechte Stockwerke hochstürmten, um sich ausrüsten zu lassen für die Schlachten, bei denen schon damals das Material über den Ausgang entschied. Hier liegen die Waffen der Vergangenheit. Sie sind nutzlos geworden, nicht weil sie an Durchschlagskraft verloren hätten. Sie werden bestens in Schuß gehalten. Ausrangiert wurden sie, weil es bessere Waffen, effizientere Tötungsinstrumente gibt. Heute kümmern sich nur noch ein paar Historiker um das ausgediente Kriegsgerät. Wie die antiken Götter als Geister und Gespenster sich in spätere Zeiten hinüberretteten, so verbreiten die alten Waffen keinen Schrecken mehr, sondern werden gönnerhaft belächelt, schüchtern gestreichelt und als harmlose Irre in die Ecke gestellt. Nur ein paar Waffenfreaks probieren aus, wieviel Durchschlagskraft ein um 1700 gefertigtes Steinschloßgewehr hatte. Nach vielen Versuchen wissen sie: Auf dreißig Meter drang es 195 Millimeter in trockenes Fichtenholz ein. Durchschossene Brustpanzer zeigen, daß Soldaten des letzten Krieges deren Stärke hatten testen wollen. Der Führer durch die Sammlungen weiß viel mehr, als die zwanzig Besucher ihn fragen können. Er erzählt, wie Türken, Katholiken und Protestanten voreinander flohen. Mal in diesem, mal in jenem Jahrhundert. Ein Totentanz.

Nach einer Stunde Führung traut man sich zu, einen Harnisch zu datieren, und daß es manieristische Degen gab, läßt den Schluß zu, daß irgendwann einmal von einer expressionistischen Granate die Rede sein wird. Wenn alles vorbei ist, übernehmen die Kunsthistoriker das Gelände. Es bleiben die Stilfragen übrig.

Landeszeughaus Graz. Dauerausstellung