Die Legende ist alt und hält sich am Leben: Eine Handvoll sprachexperimentierender Autoren aus dem Wien der sechziger Jahre habe die inzwischen ebenso medienverwitterten, jedoch wesentlich jüngeren Poeten des Prenzlauer Berges der DDR-achtziger-Jahre angeregt. (Da sitzen sie, die ungezählten amerikanischen Germanisten und weisen anhand von Erstausgaben einsamer DDR-Zeitschriften all diese Bezüge nach . . .)

Der Berliner Schriftsteller und Verleger Gerhard Wolf hat indes in seinem Verlag Janus press den Versuch unternommen, einige der "experimentierenden Schreiber der Wiener Schule" einzuladen und mit kaum bekannten Berliner Kollegen in der Anthologie "Fuszspuren: Füsze" gemeinsam zu Wort kommen zu lassen. Ohne nostalgische Beweise erbringen zu müssen, begegnen sich Texte und Zeichen auf dem Weg von Wien nach Berlin in diesem aufwendig geschmückten Buch fast freundschaftlich, auch wenn es in dieser Sammlung nur wenig Gemeinsamkeiten zu entdecken gibt.

Friederike Mayröcker und Ernst Jandl haben gewissermaßen den Ehrenschutz für diese Liebhaberveranstaltung übernommen, zu lesen sind Wiener Texte von Elfriede Gerstl, Elfriede Czurda, Liesl Ujvary, Franz Josef Czernin, Bodo Hell, Kurt Neumann, Brigitta Falkner und Herbert J. Wimmer und Berliner Dichtung von Sabine Hassinger, David Ender und Ralf B. Korte.

Die zahllosen Piktogramme, mit denen die Seiten dieses Buches (und unsere Literaturseiten) dekoriert werden, hat eine gewisse Hildegard aus Wien eingesammelt. Ihren Familiennamen darf man auch diesmal nicht erfahren; recht experimentierend trennt die fröhliche Graphikerin ihren Vornamen in die bekannten drei Silben: Hil de Gard.

Fuszspuren: Füsze

Texte und Zeichen von Wien nach Berlin

Auf Anregung von Friederike Mayröcker und Bodo Hell, gestaltet von Hil