Friedhofsführungen verbinden Religions-, Kultur-, Kunst- und Stadtgeschichte. In mehreren Städten sind solche begleiteten Rundgänge möglich.

Als Anfang der neunziger Jahre erstmals in größerer Zahl Führungen und Spaziergänge über Friedhöfe angeboten wurden, stießen sie gleich auf großes Interesse. Das ist seitdem noch ständig gestiegen, auch die Zahl der Rundgänge hat sich beträchtlich erhöht.

Die mit Abstand meisten Friedhofsführungen und -spaziergänge gibt es in Berlin, von dessen rund 300 Begräbnisstätten noch über 200 genutzt werden. Einige der bedeutendsten davon befinden sich im Stadtteil Charlottenburg, so etwa der Waldfriedhof Heerstraße, wo vor allem die Berliner Künstlerprominenz der zwanziger und dreißiger Jahre begraben ist. Hier bietet das Heimatmuseum Charlottenburg regelmäßige Führungen an, ebenso auf dem Friedhof der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnisgemeinde und dem Luisenkirchhof am Fürstenbrunner Weg, wo auch das wohl einzige deutsche Friedhofsmuseum zu besichtigen ist. Auskunft: Heimatmuseum Charlottenburg, Tel. 030/34 30 32 01.

Mehr als zwanzig "kulturhistorische Friedhofsspaziergänge" veranstaltet das Kultur-Büro Berlin, Tel. 030/444 09 36). Schon die Titel der Touren bürgen für Originalität: "Götzens endgültige Ruh' und Ingeborgs trauriges Ende" heißt eine Wanderung über den vor allem architektonisch und gartenhistorisch reizvollen Friedhof Zehlendorf; den Bogen "Von Borsig bis Brecht" schlägt die Führung über die Friedhöfe vor dem Oranienburger Tor, wo neben Johann Gottlieb Fichte, Georg Wilhelm Friedrich Hegel und anderen Geistesgrößen des 19. Jahrhunderts auch Bertolt Brecht, Heinrich Mann und Anna Seghers sowie mehrere prominente DDR-Politiker begraben sind.

Wie andere Religionen und Nationalitäten mit Tod und Bestattung umgehen, zeigen beispielsweise Spaziergänge über den Islamischen Friedhof am Columbiadamm (Auskunft: Islamische Gemeinschaft, Mohammed Herzog, Tel. 030/262 54 69) oder den "Böhmischen Gottesacker" (Auskunft: Förderkreis Böhmisches Dorf, Tel. 030/68 80 91 21).

Auch auf den Friedhöfen anderer Großstädte werden Führungen angeboten, so etwa auf dem größten europäischen Parkfriedhof Hamburg-Ohlsdorf (Auskunft: Tel. 040/591 05-469), dem Kölner Prominentenfriedhof Melaten (Auskunft: Verkehrsamt, Tel. 0221/221-33 32) und dem Münchner Friedhof am Perlacher Forst, wo die Geschwister Scholl begraben sind (Auskunft: Städtische Friedhofsverwaltung, Tel. 089/231 99 01).

Begleitete Rundgänge über alte jüdische Friedhöfe führen eindringlich die Geschichte der deutschen Juden vor Augen. Sie sind unter anderem in Dresden (Auskunft: Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur, Tel. 0351/802 04 89), Bad Neuenahr-Ahrweiler (Auskunft: Annemarie Müller-Feldmann, Tel. 02641/ 263 39), Karlsruhe (Auskunft: Kurt Witzenbacher, Tel. 0721/49 28 92) und Mönchengladbach (Auskunft: Jüdische Gemeinde, Tel. 02161/238 79) möglich. Wiederum in Berlin werden Führungen über den Friedhof Schönhauser Allee und den Friedhof Weißensee, den größten jüdischen Friedhof Europas, angeboten (Auskunft: Friedhofsverwaltung, Tel. 030/965 33 30).