Deutschen Lesern blieb dieser akademische Plauderer fremd. Immer wieder wagte sich ein Verlag an die Übersetzung eines der insgesamt 42 Romane. Dann runzelten Kritiker die Stirn, die Leser blieben aus. Dabei wäre aus seinen Erzählungen, Gedichten, Short stories und kritischen Schriften viel über England zu erfahren.

Schrieb er zu witzig für deutsche Leser? Die Mischung aus selbstironischem Spott, satirischer Gesellschaftskritik, subtiler Kunst der Personenbezeichnung ist schwer zu übersetzen. Der 1922 in Clapham/London geborene Dandy, der mit 26 Jahren schon Dozent für Anglistik an der Universität Swansea wurde, ist fast sein Leben lang dem College-Milieu treu geblieben - und hat es in immer neuen Büchern sanft karikiert, boshaft dargestellt. Die Universitätswelt hat es ihm heimgezahlt: Als er in den sechziger Jahren nach Cambridge berufen wurde, mieden die Kollegen den "Pornographen". Auch hat dem Mann, den die Königin 1990 zum Ritter geschlagen hat, keine Hochschule des Landes einen Ehrendoktorhut aufgesetzt. Dabei hat er für den (wie stets) lustigen, bitterbösen Roman "The Old Devils" 1986 die höchste literarische Auszeichnung der englischsprechenden Welt erhalten, den Booker- Preis.

Mit seinem Namen verbunden bleibt der Roman, der ihn 1954 in aller Welt berühmt gemacht hat, "Lucky Jim" (Glück für Jim): Satire auf den muffigen Universitätsbetrieb der Nachkriegszeit. Mit Osborne wurde er damals den Zornigen Jungen Männern zugerechnet. Ein Mißverständnis. Er wollte immer nur "lustige Bücher" schreiben. So hat sich der humorvoll "linke" Kritiker der Gesellschaft dann auch zum Bewunderer von Margaret Thatcher gewandelt und ist, nicht trotz, sondern wegen seiner britisch gedämpften Leidenschaft für Whisky, Girls und die weiße Katze Sarah zu einer Stütze des Establishments geworden. Am 22. Oktober ist Kingsley Amis in London gestorben, 73 Jahre alt.