Seltsam, aber wahr: Axel Caesar Springer war schon zu seinen Lebzeiten politically correct. Wer für ihn arbeiten wollte, mußte sich verpflichten zur "Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen" und zur "Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus".

In diesem Sinne kaufte Springer 1960 das Verlagshaus Ullstein - jenen in den zwanziger Jahren so berühmten Verlag der Vossischen Zeitung und der Zeitschrift UHU, jenen Verlag, der trotz aller politischer Anfeindungen Erich Maria Remarques Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues" druckte. Jenen Verlag, der den "fortschrittlichen und kosmopolitischen Geist der Weimarer Republik" (Arthur Koestler) verkörperte und als mächtiger Gegenspieler dem deutschnationalen Pressezaren Hugenberg ebenso Paroli bot wie den Nationalsozialisten - bis zum 30. Januar 1933. Es dauerte kein Jahr mehr, da enteigneten die Nazis die jüdische Familie Ullstein. Sie floh und überlebte in England.

Nach dem Krieg erhielten die Ullsteins die Überreste ihres Verlages zurück, die alte Bedeutung erlangte er nie wieder. Doch: Dann kam Axel Springer, sah die Misere und kaufte den Verlag. Der Konservative Wolf Jobst Siedler machte das Programm, ziemlich pc, aber ohne herausragenden Erfolg, und seinem Nachfolger Victor Niemann erging es nur wenig besser. Denn das Renommee war prima, aber eigentlich wollte bei Springer "keine Sau" (Niemann) in den Buchverlag investieren. Schließlich sollte der Konzern die Medienmacht im Lande mit neuen Zeitungen und privaten Fernsehsendern erobern.

Also suchte der Springer-Verlags-Vorstand Peter Tamm für seinen greisen Verleger 1984 einen erfolgreichen Partner - und er fand ihn: Herbert Fleissner, den Verleger von Ephraim Kishon, Simon Wiesenthal und Elie Wiesel. So weit, so pc. Springer und Fleissner bildeten die Ullstein-Langen-Müller-Verlagsgruppe, die mit 800 Titeln im Jahr mehr als 130 Millionen Mark umsetzt.

"Programmverantwortlicher Geschäftsführer" wurde Herbert Fleissner, der bald im Sinne der "Aussöhnung" die Memoiren von Willy Brandt verlegte. Nur dann, o Graus, brachte Fleissner die Überlegungen des Historikers Ernst Nolte heraus: "Schatten der Vergangenheit", so der sinnige Titel - und der Inhalt: ein Plädoyer, die Argumente der Auschwitz-Leugner endlich "wissenschaftlich" richtig ernst zu nehmen. Doch die Springer- Verleger schwiegen.

Nach diesem Rezept ging es dann, seit 1992 unter dem neonationalen Historiker Rainer Zitelmann als Cheflektor, auch weiter: Wiesel und Wiesenthal, pc und gut, aber mit Franz Schönhubers Erinnerungen an seine schöne Zeit in der Waffen-SS "Ich war dabei" verdiente Fleissner wirklich Geld. Ordentliche Einnahmen brachten wohl auch Schriften von Goebbels Pressereferenten Wilfred von Oven, Hitlers Sekretärin Christa Schröder - und, nicht zuletzt, David Irving, dem wohl bekanntesten Auschwitz-Leugner.

Am 1. Januar 1996 endet die Liaison Ullstein-Langen-Müller nach elf Jahren. Springer-Vorstand Jürgen Richter ordnet sein Unternehmen und hat zuvor schon 50 Prozent der Wiener Zeitung Standard und 25 Prozent des Magazins News in Österreich verkauft. Auch der 67jährige Fleissner ordnet, weil er bald einmal seine Nachfolge regeln will, und ein ganzes Unternehmen läßt sich besser vererben als ein halbes. Die kaufmännische Leitung und das Marketing werden übrigens weiterhin zusammenarbeiten. "Programm oder Autorennamen waren kein Grund zur Trennung", sagt Herbert Fleissner. Ist doch alles pc - und die Springer-Verleger schweigen dazu.