Nigerias Unrechtsregime wütet weiter

CAMBRIDGE, Massachusetts. - Vor anderthalb Jahren wurde der Sieger der Präsidentschaftswahlen in Nigeria von 1993, mein Vater Moshood Abiola, wegen verräterischer Aktivitäten gegen das nigerianische Militärregime angeklagt und ins Gefängnis geworfen. Sein Verbrechen bestand darin, daß er sich, basierend auf den Ergebnissen der nationalen Wahlkommission, zum legitim gewählten Präsidenten erklärte.

Vergangenen Monat ließ das Regime neun Umweltschützer, unter ihnen der Schriftsteller Ken Saro-Wiwa, hinrichten; siebzehn weitere Oppositionelle warten auf ihre Hinrichtung. Das nigerianische Militär hat außerdem Hunderte von politischen Widersachern eingekerkert und verfolgt eine Politik des ethnischen Mordes gegen den Stamm der Ogoni. Inzwischen hat das Regime alle demokratischen Institutionen im Lande zerstört: 1200 lokale Regierungen, 30 Staatsregierungen und die Nationalversammlung.

Die Anschläge auf die Bürger- und Menschenrechte der nigerianischen Bevölkerung geschehen ebenso umfassend wie unverhüllt. Menschenrechtsgruppen haben die Angriffe der Regierung auf den Ogoni-Stamm dokumentiert und Royal Dutch/Shell wegen seiner Zurückhaltung gegenüber der militärischen Intervention kritisiert.

Was muß denn noch geschehen, damit konkrete Aktionen gegen dieses Regime gerechtfertigt erscheinen? Das nigerianische Volk schätzt die demokratischen Ideen. Paradoxerweise sind die Vereinigten Staaten, die führende demokratische Nation der Welt, der größte Abnehmer von nigerianischem Öl. Vielleicht hilft es ja bei Maßnahmen gegen das Regime, wenn man weiß, daß Nigerias gewählter Präsident sich im Gefängnis befindet und sein Prozeß auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist. Vielleicht hilft es auch, darauf hinzuweisen, daß das Öl zu 95 Prozent der Einnahmen des Regimes beiträgt.

Meinem Vater geht es gesundheitlich schlecht. Falls ihm irgend etwas geschehen sollte, wird das Regime kaum über genügend Truppen verfügen, um den Aufschrei zu unterdrücken. Es geht jetzt darum, diese Krise zu verhindern. In der Politik sollte es keine Zweideutigkeiten geben. Demokratische Ideale sollten nicht käuflich sein.

Hafsat Abiola, Tochter des gewählten nigerianischen Präsidenten Moshood Abiola, studiert an der Harvard-Universität.

 
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