Am 11. Oktober kurz vor acht Uhr abends herrschte im hochvernetzten Silicon Valley plötzlich Datenfinsternis: Das Internet war zusammengebrochen. Beschäftigte des Computerkonzerns Sun Microsystems, Studenten der Stanford-Universität und Journalisten der San Jose Mercury News waren von der elektronischen Außenwelt abgeschnitten. Erst nach 24 Stunden flossen die Daten wieder durch das Tal südlich von San Francisco.

Der Ausfall war willkommener Stoff für die professionellen Apokalyptiker der Netzwelt, allen voran Robert Metcalfe, Gründer des Telekom-Ausrüsters 3Com. Das Internet sei überlastet, schlecht verwaltet und werde über kurz oder lang kollabieren, predigt er seit Monaten im Fachblatt InfoWorld . Den ersten großen Zusammenbruch hatte er schon einmal vorhergesagt: zu den Spielen in Atlanta.

Trotz solcher Fehlprognosen verbreiten die amerikanischen Medien die Klagelieder mit Wonne. Sogar Wired , das selbsternannte Zentralorgan der digitalen Revolution, stimmte ein und prophezeite einen Blackout schon für die nächsten sechs bis zwölf Monate.

Tatsächlich könnte sich die Abkürzung WWW für weltweites Warten einbürgern - wenn das Netz weiter so bewirtschaftet wird wie bisher. Aber ein globaler Kollaps des Internet ist so wahrscheinlich wie ein gleichzeitiger Stau auf allen Autobahnen der Erde. Die Gefahr ist "gleich Null", sagt Steve Feldman, Internet-Experte beim amerikanischen Telekom-Konzern MFS Communications.

Feldman betreibt für MFS in San Jose am südlichen Rand des Silicon Valley einen der wichtigsten Knotenpunkte des Internet, den Metropolitan Area Exchange (MAE) West: Rund fünfzig Netzbetreiber tauschen hier Daten aus. Ein elektronischer Brief von Hamburg nach San Francisco hat gute Chancen, hier durchzuflitzen.

"Sie müssen sich das wie einen elektronischen Großflughafen vorstellen", sagt Feldman. Die Daten, die zu Paketen verschnürt durchs Netz reisen, sind die Passagiere. Die Fluglinien heißen ANS, Compuserve oder Euronet. Ihre Terminals sind Router, spezielle Netzrechner, die die Pakete empfangen und weiterdirigieren.