Chaos am Himmel über Afrika

von Andreas Spaeth

Die jüngste Flugzeugkatastrophe in Zaire zeigt: Im afrikanischen Luftverkehr herrschen unzumutbare Sicherheitsmängel.

Die unheilvolle Ehe zwischen russischem Schlendrian und afrikanischer Mängelverwaltung kostete Anfang Januar vermutlich über 500 Menschen das Leben, als die Transportmaschine der Moscow Airways vom Typ Antonow 32 in einen Straßenmarkt im zairischen Kinshasa raste. Der Gesellschaft war in Rußland bereits die Lizenz entzogen worden, was sie nicht daran hinderte, ihre Dienste in Afrika anzubieten.

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Ein großer Teil Afrikas ist mit Flugverbindungen schlecht versorgt. Aber auch das Straßennetz ist in vielen Ländern über weite Strecken oft kaum mehr zu nutzen. Alternativen zum Flugverkehr sind also häufig nicht vorhanden.

"Die meisten afrikanischen Airlines stehen vor dem Zusammenbruch", sagte kürzlich Ahmed Kellow, Chef der Ethiopian Airlines, auf einer Londoner Luftfahrtkonferenz. Die äthiopische Gesellschaft gehört dabei noch zu Schwarzafrikas renommiertesten Airlines, ebenso wie Kenya Airways, von der gerade die KLM ein Viertel der Anteile übernahm.

Sambia dagegen mußte seine Gesellschaft Zambia Airways kürzlich auflösen, weil die Regierung die aufgelaufenen Schulden nicht mehr zahlen konnte. Auch Nigeria Airways ist kaum mehr geschäftsfähig, seit Gläubiger Flugzeuge an die Kette legten und andere Jets wegen Ersatzteilmangels nicht mehr in die Luft gehen können. "Die meisten afrikanischen Airlines sind in Staatshand, das ist ein Desaster", sagt Ahmed Kellow.

Mit häufig imkompetenten eigenen Gesellschaften und kaum lösbaren Transportaufgaben sind viele Länder gezwungen, billige Alternativen im Ausland zu suchen, vorwiegend in Rußland. Damit werden die ebenfalls großen Sicherheitsprobleme im Luftverkehr der zerfallenen Sowjetunion nach Afrika exportiert. Die bittere Folge: Abstürze häufen sich. Vor dem Crash in Zaire verunglückte etwa eine in Rußland gemietete Tupolew 134 im vergangenen Juni in Nigeria. Die Bilanz: achtzehn Tote.

Doch auch den afrikanischen Airlines mit westlichen Flugzeugen ergeht es kaum besser, weil sie aus Geldmangel an Wartung und Ausbildung sparen. "Ein Teil der Flugzeuge dieser Firmen ist nicht flugtauglich, diese Maschinen sind fliegende Särge", äußerte sich vor kurzem der nigerianische Luftfahrtminister Nsikak Eduol ungewohnt drastisch. Allein im letzten halben Jahr gab es (ohne den Absturz in Zaire) vier schwere Unfälle mit zusammen 240 Toten in Afrika.

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