Die rüstige Witwe BlauensteinerSeite 3/3

Franziska Köberl mußte kein Mann sein. Bei ihr genügte, ausnahmsweise, das Vermögen allein. Am 15. Dezember 1992 erlag sie der aufopfernden Pflege ihrer Nachbarin. Bald nach der Testamentsunterzeichnung zugunsten von Elfriede Blauensteiner starb die alte Dame an den Folgen eines Milchkaffees. Reue? Nein. "Sie war krank und hatte Schmerzen."

Erwin Niedermayer habe sich, nachdem er seiner Frau einen Schädelbruch zugefügt hatte, eigentlich selbst umbringen wollen, behauptet die Witwe. Sie will mit einem gemixten Giftgetränk nur ein bißchen nachgeholfen haben. Reue? Nein. "Er war ein Verbrecher."

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Der Rentner Friedrich Döcker wurde 65 Jahre alt. Der "ruhige Lebensherbst", den ihm die "treusorgende Kameradin und Krankenschwester" in einer Kontaktanzeige schmackhaft machen konnte (128 Interessenten meldeten sich), dauerte nicht einmal ein Jahr. Noch vor seinem Tod am 11. Juni 1995 verkaufte die Witwe sein Haus und vermachte seine Leiche mit gefälschter Unterschrift dem Anatomischen Institut der Universität Wien. Reue? Nein. "Es ist um keinen Mann schade, wenn er stirbt."

Der für die Kriminalisten derzeit interessanteste Mann in Witwe Blauensteiners Leben heißt Harald Albert Schmidt und war bisher ihr Rechtsanwalt. Für die Witwe hat er Testamente gefertigt. Was er über die Vergiftungen wußte und welche Rolle er dabei spielte, ist noch unklar. Schmidt befindet sich ebenfalls in Haft.

Vier Monate nach Döckers Tod zog Elfriede Blauensteiner in das Haus des 76jährigen Postmeisters Alois Pichler in Rossatz bei Krems. In seinem Kontaktinserat hatte er sie mit der Kombination aus Einsamkeit und Ersparnissen von seinen Qualitäten überzeugt. Zwei Wochen später lag der Mann, der niemals krank war, plötzlich im Koma: Unterzucker. Zwei Monate später, am 21. November 1995, war er tot. Reue? Nein. "Der Burli hat sich die Totenruhe verdient."

Sein Begräbnis am 1. Dezember war gut besucht. Auch Polizisten waren dabei. Ein Neffe des Toten hatte Frau Blauensteiner wegen Mordverdachts angezeigt. Die Leiche war bereits obduziert worden. Die Witwe erschien mit Verspätung. "Adieu, Alois", sagte sie gefaßt, warf rote Rosen auf den Sarg und ging.

Auf der Heimfahrt kramte sie den Partezettel von Alois Pichler hervor: "Wenn die Kraft zu Ende geht, ist Erlösung Gnade." Auf der Rückseite entwarf sie ihr neues Kontaktinserat: "Witwe, alleinstehend, Anfang 60, Autofahrerin, herzeigbar, sucht Beamten." Kennwort: "Ortswechsel möglich."

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