Ich will nicht mein Opfer sein
ANDRÉ MÜLLER: Sie machen Mode für Frauen.
KARL LAGERFELD: Ja, denn würde ich Mode für Männer machen, würde ich automatisch an mich dabei denken. Sie brauchen den Abstand. LAGERFELD: Genau. Interessieren Sie die Frauen, die Ihre Kleider dann tragen sollen? LAGERFELD: Die Models, die das vorführen, interessieren mich schon. Die sollen ja gut darin aussehen.
Ihr Kollege Yohji Yamamoto sagt, er gebe seine Kleider den Frauen, um sie in der Männerwelt, die er offenbar für bedrohlich hält, zu beschützen.
LAGERFELD: Das halte ich für prätentiös. Ich liebe die Arbeit von Yamamoto. Er macht technisch ganz tolle Sachen. Aber was er manchmal redet, ist furchtbar.
Sie schicken die Frauen in hautengen Mikrominis, transparenten Plastikkleidchen und Schuhen mit nadeldünnen Stiletto-Absätzen ins Leben. Meinen Sie, daß sie sich darin wohlfühlen können?
LAGERFELD: Eine Frau, die mit der Mode geht, fühlt sich immer wohl.
Aber in diesen Schuhen kann man doch gar nicht gehen.
- Datum 23.02.1996 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 09/1996
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