Ich will nicht mein Opfer seinSeite 28/28
LAGERFELD: Ich führe kein Tagebuch. Wissen Sie, wenn man weiß, daß man glücklich ist, ist man es ja schon nicht, weil dieser Moment sich nur einstellt, wenn man nicht daran denkt. Ich habe mich an mich gewöhnt. Mein Motor ist der Selbsterhaltungstrieb. Vielleicht ist die Maske zu meinem wahren Gesicht geworden. Man denkt sich etwas aus, und zum Schluß glaubt man selbst, was man sich in den Kopf geschrieben hat. Jede Entscheidung ist zugleich die Verweigerung aller anderen Möglichkeiten, sagt Spinoza. Man kann nicht alles haben. Il faut faire avec ce qu'il y a. Ich habe mich zu dem entschieden, was ich heute bin, whatever it means. Ich fürchte, im Grunde bin ich total banal.
- Datum 23.02.1996 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 09/1996
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