Alte Instrumente und Neue Musik: das ist häufig nicht viel mehr als eine Gratwanderung zwischen Akademismus und Nostalgie, bei der Komponist und Interpret jämmerlich abstürzen können. Die Laute scheint davon verschont geblieben zu sein, auf Kosten ihrer Präsenz in der modernen Musik. Schade, gerade sie könnte zum Kultinstrument werden für eine in sich gekehrte, neue Klanglichkeit.

Die beiden jungen Schweden Peter Söderberg und Sven ±berg haben das offenbar bereits vor einigen Jahren erkannt. Sie machten sich daran, Kompositionen von John Cage ("Dream"), Steve Reich ("Piano Phase") und Karlheinz Stockhausen ("Tierkreis") mit viel Geschick und Sinn für ihr Instrument zu transkribieren, und haben diese dann zusammen mit vier speziell für sie geschriebenen Duetten von Ingvar Karkoff auf CD eingespielt. Das Ergebnis heißt: "The Contemporary Lute", ist erhältlich über die Galerie Gelbe Musik und hätte gewiß das Zeug zu einer Kultplatte, wenn man es nur entsprechend vermarkten würde (Gelbe Musik, Schaperstr. 11, 10719 Berlin, Bestellnummer Alice ALCD004). Am faszinierendsten ist die Übersetzung des Cage-Stücks gelungen, mit Flageolett- Tönen, pentatonischen Melodien und mit langgezogenen Tönen auf einer Baßgambe begleitet. Stimmiger läßt sich ein Träumen mit offenen Ohren nicht umsetzen, schöner der Reichtum an Klangnuancen nicht erzielen. Und sogar Reichs Minimal music gewinnen die beiden Lautenisten eine Intimität ab, die ihr die Brutalität maschineller Metrik nimmt. Martin Elste

Das Berimbao, ein einsaitiges afrikanisches Lauteninstrument, gibt mit seinem spröden, maultrommelartigen Schnarren eine Melodierichtung vor. Schlagzeug und Gitarre folgen ihm wie Schatten - aber dann kommt sie: Joan Osborne, kaum dreißig Jahre alt, Sängerin und Musikerin aus Kentucky. Mit rauher Stimme lädt sie ein zu einem Spaziergang durch die Straßen der Erinnerung, und sie läßt den Zuhörer von da an nicht mehr los. Radikal einfach sind ihre Songs, inspiriert von Rock, Country, Blues, Boogie, Folk, Gospel und außerdem den Lebens- und Liebeserfahrungen einer Frau.

Die Tiefen dieses Daseins nimmt Joan Osborne allerdings nicht ohne selbstironische Seitenhiebe: "Wenn du einsam bist und dich ins Bett verkriechst, dann vergiß nicht, deine Perlenkette und dein Spinnennetz mitzunehmen", heißt es auf ihrer neuen CD "Relish" (Mercury 526 699, über Polygram, Fax: 040/3087-755). Ein spezifisches Timbre, irgendwo zwischen Joni Mitchell, Janis Joplin und Joan Baez, gibt ihren Balladen eine Art parapsychologisches Flair, das sich auch durch die Standardbesetzung der Band - Baß, Gitarre, Schlagzeug - nicht aus der Welt spielen läßt. Osborne arbeitet mit Traditionen, ohne sie zu denunzieren. Mal klingt das nach einem Kojoten, der seinen Cowboysong heult, und ein Wort klebt am anderen. Dann wieder gibt sie die Kratzbürste, irgendwann nach dem zwanzigsten Whiskey. Daß dieses Stimmwunder angeblich per Zufall zum Singen gekommen sein soll, das kann nichts anderes sein als eine Marketing-Ente. Anna-Bianca Krause