Sabine Etzold: "Schlecht, aber schlau?", ZEIT Nr. 8

Es ist doch eigenartig. Da wird überall festgestellt, daß Schüler mit einem Abiturzeugnis nicht einmal die einfachsten Rechtschreiberegeln beherrschen, im Englischen - häufig nur die einzige Fremdsprache, die gelernt wird, da Französisch zu schwer und zu aufwendig ist - nur rudimentäre Kenntnisse aufweisen können. Doch die Autorin vermutet ein Anwachsen der intellektuellen Fähigkeiten dieser Schüler. Es ist immer gleich. Ideologisch sieht die Welt ganz anders aus als in Wirklichkeit. Harald Graetsch, Dortmund

Die Klage über schlechte Schülerleistungen beginnt mit einer Intelligenzstatistik am falschen Ende. Mögen auch die Formen, in denen sich das Erscheinungsbild darstellt, von Interesse sein, so ist doch klar, daß das Umfeld von größtem Einfluß ist. In diesem Umfeld gilt Milde in der Leistungsanforderung als soziale Pflicht. Jeder soll so leicht als möglich an Leistungsqualifikationen herangeführt werden, die ihm ein möglichst leichtes Aufsteigen im Sozialbereich bieten. Dieses "soziale" Anliegen spiegelt sich zum Beispiel in der Forderung wider, dreisprachige Gymnasien sollten auf zwei Sprachen zurückgehen, weil sonst keine Chancengleichheit bestünde. Der Gedanke, die zweisprachigen Gymnasien sollten auf drei Sprachen übergehen, um diesen Mangel auszugleichen, wird als grotesk empfunden! Heinz Willkomm,

Schondorf/Ammersee