Wolfram Runkel: "Schach", ZEIT Nr. 8

Mir scheint, daß Kasparow sich als Vertreter der Menschheit, der gegen die seelenlose Maschine kämpft, um die Überlegenheit des menschlichen Geistes zu beweisen, ein wenig zu hoch stilisiert. Denn was wäre für die Menschheit verloren, verlöre Kasparow den Wettkampf? Gesiegt hätte doch in Wahrheit nicht ein Kasten voll schneller Chips, sondern ein menschliches Team von Hardware-Konstrukteuren, Software-Entwicklern und Schachexperten. Wenn eine Maschine mit zehnmal schnelleren Prozessoren in drei Jahren vielleicht Kasparow oder seinen Nachfolger schlagen wird, braucht das auch niemanden zu grämen. Dann war es eben der menschliche Geist der Chip-Konstrukteure, der den Sieg errungen hat.

Dr. Karl Ulrich Würz, Schmitten

Abwicklung

Nikolaus Piper: "Zweierlei Vergangenheit", ZEIT Nr. 8

Da gab es also einen hochrangigen Waffen-SS-Offizier namens Krelle. Der hatte nach dem Krieg in der ehemaligen Bundesrepublik nicht nur keinerlei Nachteile in seinem bürgerlichen Leben zu befürchten, sondern wurde zum Professor berufen und - als ob dies nicht genug wäre - auch noch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Dann wurde er zum Oberabwickler einer Fakultät in der Humboldt-Universität bestimmt. Dort legte er nun fest, wer von den ehemaligen Beschäftigten wegen einer möglicherweise auch naiv zu nennenden Nachsicht gegenüber den unbestreitbaren Fehlern in der früheren DDR heute untragbar für eine Weiterbeschäftigung sei.