Wie einzigartig, wie unvergleichlich sich die Schönheiten dieser unserer Reisewelt präsentieren - bei der Internationalen Tourismusbörse in Berlin wird es dem staunenden Publikum nun wieder vor Augen geführt. Urlaubsziele von Aachen bis Zypern werden uns umbuhlen. Und garantiert stoßen wir auch diesmal wieder auf Paradiese, die so versteckt liegen, daß ihre Namen noch nie an unsere Ohren drangen. Ebenso sicher werden wir in unzähliger Ausführung immer den gleichen Orten begegnen: "Mekka" ist überall, ebenso wie "Eldorado", sei es nun für Wanderer oder Wassersportler. Zum Selbstlob muß einfach längst Bewährtes ran.

"Elb-Florenz" und "Spree-Athen", nie werden wir begreifen, was die Namensgebung rechtfertigt, nur weil das eine sich von Herder herleitet und das andere sich seit bald 300 Jahren tradiert. Gut getan ihr Göttinger, daß ihr werblich nicht auf Leinathen beharrt.

Wir hätten durchaus ein Einsehen, wenn Venedig seinen Namen gesetzlich schützen ließe und nur noch gegen Lizenzgebühr und nach eingehender Prüfung als Ehrentitel vergäbe. Was verbindet Amsterdam, Hamburg und St. Petersburg? Richtig. Alle gelten als "Venedig des Nordens". Aber wer errät auf Anhieb, welche Stadt sich mit dem Prädikat "brasilianisches Venedig" und welche mit der Apposition "Venedig Floridas" schmückt? Hand aufs Herz, wer assoziiert sofort, daß es sich dabei um dem Original und untereinander so verblüffend ähnliche Städte wie Recife und Fort Lauderdale handelt? Kaum fließt irgendwo auch nur ein Kanal, schon wird die Serenissima bemüht. Selbst im Fischerviertel des elsässischen Provinzstädtchens Colmar.

Den Siegerkranz jedoch im edlen Wettstreit der Vergleiche hat vermutlich die Schweiz verdient. Nach dem Stand der letzten Erhebung existieren 187 Schweizen, verteilt auf alle Kontinente dieser Erde. Ob in Indien oder in Indonesien, ob in Namibia oder in Neuseeland, in Korea oder in Japan, in Argentinien oder in Peru, das Alpenland fungierte als Pate. Amerika strahlt von Alaska bis Colorado stolz mit dem Prädikat "Switzerland" oder "Swiss". Rekordhalter jedoch dürfte Deutschland sein: mit rund sechzig Schweizen von Holstein bis Franken. Nun gut, werden die Philologen einwenden, die Sache hat Prinzip. Steckten immerhin romantische Dichter und Denker dahinter, daß das Muggendorfer Gebürg schließlich in Fränkische Schweiz umgetauft wurde. Und ein veritabler Schweizer Maler, heimwehgeplagt in Dresden tätig, verhalf der Sächsischen Schweiz zu ihrem Namen. Bei der Bergischen Schweiz nahe Wermelskirchen oder der Nippeser Schweiz nahe Köln liegt der Sachverhalt schon nicht mehr so eindeutig nachvollziehbar offen. Auch wissen wir nicht, wie eine Weide am Berg Athos oder eine Schlucht sogar in Österreich zum "Schweiz"-Epitheton kam.

Ob Helvetia als Schutzpatron jedoch immer helfen kann? Schließlich dümpelt der Tourismus im alpenländischen Mutterland bekanntlich gerade in der Krise. Vielleicht werden wir auf der ITB in Berlin, vulgo "Spree-Athen", ja in diesem Jahr ein Mallorca Finnlands oder eine DomRep des Indischen Ozeans entdecken.