A 8, Richtung Stuttgart Dieter Spöri, der Chefpopulist? Ach du meine Güte, ein kurzes Auflachen, Spöri macht eine Bewegung, als wolle er die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Aber da ist das Autodach. Populismus müsse man erst einmal definieren, sagt er also, und weil das so schwierig ist, erklärt er lieber, was Populismus nicht ist: "Wenn man die Sorgen der Menschen ernst nimmt und sie nicht den Republikanern überläßt."

Populismus von links kann es so gesehen gar nicht geben, weil es ja zum Wesen der Sozialdemokratie gehört, die Nöte des kleinen Mannes zu lindern. Dieter Spöri ist im reinen mit sich, er ist "Der Richtige für diese Zeit", wie die Wahlplakate künden. Der Richtige. Das ist ungewöhnlich. Eigentlich müßte es heißen: "der Rechte", der rechte Mann zur rechten Zeit. Aber das wäre dann doch nicht gegangen. Spöris Lieblingsplakat zur Währungsunion mußte jedenfalls verändert werden. "1999 kein Euro!" Die Bonner Parteizentrale korrigierte den Slogan: "Währungsunion verschieben!" Ob sich auf diese Weise Mißverständnisse ausräumen lassen?

Dieter Spöri möchte Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden. Er braucht die Stimme des Volkes, also formuliert er sie: die Angst um die Deutsche Mark, den Groll über die deutschstämmigen Einwanderer.

"Baden-Württemberg kann keine Aussiedler mehr aufnehmen!" hat er den Leuten in der Ulmer Stadthalle zugerufen. Der Applaus hallt nach, vermischt sich mit dem Summen der Limousine, in deren Fond sich der Spitzenkandidat nur wundern kann: "Das ist doch ein Thema in den Köpfen der Menschen!"

Doch von allen Seiten muß er Prügel einstecken: von den Kirchen, von den Medien, vom grünen Wunschpartner, sogar von eigenen Parteifreunden. Die Christdemokraten, gut, das hatte er erwartet, aber daß ihm sogar die verhaßten Republikaner, denen er doch ein Thema wegnehmen wollte, Ausgrenzung vorwerfen? "Die Linke ist in Gefahr, einer schwarzbraunen Ideologie auf den Leim zu gehen", schnaubt er. Und überhaupt, dieses ewige Gerede über angebliche Stammtischparolen: "Der Stammtisch ist doch eine ehrenwerte deutsche Einrichtung!"

Hätte die SPD dem Volk nur häufiger aufs Maul geschaut! Zweimal schon, doziert Spöri, habe man das richtige Thema verpaßt. Anfang der achtziger Jahre die Ökologie ("Seitdem gibt es die Grünen") und Anfang der Neunziger das Problem Asyl ("Seitdem sitzen die Republikaner im Landtag"). Wer zu spät kommt, den bestraft der Wähler.

Die neuen SPD-Schlager hat er nicht einmal als erster aufgelegt; das besorgte der neue Parteivorsitzende. Spöris Sonderstellung rührt daher, daß er die volksnahen Ressentiments als einziger in den Wahlkampf einführte. Seither schaut die Bonner Parteizentrale auf Baden-Württemberg als Wahlkampflabor: Führt die Versuchsanordnung zum Erfolg, könnte das neue Verfahren 1998 im Bundeswahlkampf angewendet werden. Seit zwei Wochen steigen die Umfragewerte wieder. Darüber wird man sich doch wohl noch freuen dürfen?