Ken Saro-Wiwa: Flammen der Hölle

Nigeria und Shell: Der schmutzige Krieg gegen die Ogoni; Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1996; 256 S., 18,90 DM

Wäre es nach Shell gegangen, hätte "Flammen der Hölle" von Ken Saro-Wiwa in Deutschland nicht erscheinen sollen, jedenfalls nicht unter diesem Untertitel: "Nigeria und Shell: Der schmutzige Krieg gegen die Ogoni". Der Ölkonzern fühlte sich verunglimpft, da er noch immer jede Verantwortung für das Umweltdesaster im Delta des Niger ablehnt. Dort leben die Ogoni, eine ethnische Minderheit in Nigeria. Der Schriftsteller Ken Saro-Wiwa war Ogoni und hatte sich an die Spitze des Kampfes für Autonomie und eine lebenswerte Umwelt gestellt. Am 10. November 1995 wurde er mit acht Mitstreitern nach unfairem Prozeß hingerichtet.

"Flammen der Hölle" beginnt als Protokoll einer Verhaftung. Ken Saro-Wiwa schildert, wie er am 21. Juni 1993 von nigerianischen Sicherheitskräften gefangengenommen wird. Es folgt eine aberwitzige Odyssee durch Polizeistationen und Gefängnisse. Unter unmenschlichen Bedingungen wird Saro-Wiwa festgehalten, ohne daß es dafür eine rechtliche Grundlage gäbe.

Doch danach ändert sich der Charakter des Buches. Saro-Wiwa schaut zurück auf den Kampf der Ogoni gegen die Militärherrscher und Ölkonzerne wie Shell oder Chevron. Sehr detailliert beschreibt er jede Phase dieser Auseinandersetzung und vor allem seine eigene Rolle dabei. Der Text dokumentiert, erklärt, rechtfertigt, klagt an, bittet um Verzeihung. Zugleich entwickelt er ein Konzept für die Nationalstaaten Afrikas: Saro-Wiwa wünscht sich Föderationen mit weitgehender Autonomie der Ethnien, die über ihre Ressourcen und ihre Umwelt selbständig verfügen sollen.

Saro-Wiwas Bericht wird durch ein Dossier ergänzt, das im November des vergangenen Jahres in der ZEIT erschienen ist. Es schildert die Verseuchungen im Nigerdelta, die Rolle der Ölkonzerne sowie die Willkür der nigerianischen Machthaber im Kampf gegen die Ogoni.