Zu viele Schiffe, zu wenig Passagiere: Auf der Donau sorgt ein harter Wettbewerb für niedrige Kreuzfahrtpreise. Die Ausflugsmöglichkeiten dagegen sind eingeschränkt, seit die berühmte Donaudampfschiffahrtsgesellschaft nicht mehr fährt.

In Passau, wo 1992 erst 181 Kabinenschiffe anlegten, werden in diesem Jahr erstmals über 500 erwartet. Allerdings steigt die Zahl der Passagiere wesentlich langsamer: Sie wuchs im vergangenen Jahr nur um vier Prozent auf 53 000. Auf dem zweitgrößten Stroms Europas konkurrieren zahlreiche Reedereien aus einem halben Dutzend Ländern um die Kundschaft. Der Main-Donau-Kanal hat dieses Revier auch für Reedereien aus den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich geöffnet. Siebentägige Schiffsreisen werden in der im März beginnenden Saison schon für knapp 1200 Mark angeboten.

Den Anspruch auf die komfortabelsten Schiffe erhebt die deutsche Reederei Deilmann (Tel. 04561/610 60) für ihre Mozart - mit 122 Meter Länge zugleich der größte Kreuzfahrtdampfer - und die Donauprinzessin. Die beiden schwimmenden Fünfsternehotels mit Klimaanlage, Schwimmbad, Sauna und Fitneßbereich starten von Ende März an jeden Samstag von Passau aus nach Budapest und zurück. Die siebentägige Passage auf der Mozart kostet in der Hochsaison für 1790 bis 6370 Mark.

Dagegen sind auf der Sofia, die unter bulgarischer Billigflagge fährt, einwöchige Törns in einer Außenkabine bereits für 1195 Mark zu buchen (Hanseatic Tours, Tel. 0421/348 60). Beschaulicher geht es auf den beiden Schiffen der Köln-Düsseldorfer (Tel. 0221/ 208 80) zu: Sie legen einen Weg von Nürnberg nach Budapest (und umgekehrt) in jeweils sieben Tagen zurück und eröffnen damit mehr Zeit für Landgänge und Ausflüge. Achttägige Reisen gibt es von 2072 Mark an.

Der Friedensprozeß in Jugoslawien könnte bald auch die klassische Route bis zum Donaudelta wieder freimachen. Denn seit drei Jahren müssen alle Kreuzfahrtschiffe in Budapest umkehren: Der Krieg auf dem Balkan hatte den Flußabschnitt in Slawonien und durch Belgrad unpassierbar gemacht. Doch möglicherweise werden sich schon im nächsten Jahr wieder Kreuzfahrtschiffe auf den 2270 Kilometer langen Weg von Passau bis zum Schwarzen Meer machen.

Eine außergewöhnliche Tour unternimmt im Juni die Swiss Pearl für den Schweizer Veranstalter Geriberz in Wettingen (Tel. 0041-56/ 27 01 01). Die Reise führt vom 8. bis 23. Juni von Budapest donauaufwärts über Wien, Passau, den Main-Donau-Kanal, und dann rheinab über Mainz und Köln nach Amsterdam. Die Preise beginnen bei 3640 Schweizer Franken.

Im Tagesausflugsverkehr reißt die Liquidation der Donaudampfschiffahrtsgesellschaft (DDSG) eine Lücke in die bislang durchgehende Verbindung von Passau nach Wien. Das traditionsreiche österreichische Staatsunternehmen hatte seit Jahren hohe Verluste eingefahren und stellte zum Jahresende seinen Betrieb ein.