Helmut Linssen, der CDU-Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag, hatte es kommen sehen. Als er angesichts der rotgrünen Querelen vergangene Woche die Chance nutzte und der SPD ein Angebot zur großen Koalition machte, fügte er skeptisch hinzu: Wahrscheinlich werde daraus sowieso nichts, da die Grünen, wie schon so oft, auch diese Kröte schlucken würden. Am vergangenen Dienstag war es dann tatsächlich soweit.

Tagelang hatten sich SPD und Grüne über den Ausbau des Dortmunder Flughafens bis an den Rand des Koalitionsbruchs gestritten. Ihre Zustimmung zum Haushalt wollten die Grünen von der Lösung dieses Problems abhängig machen. Eine achtstündige Nachtsitzung des Koalitionsausschusses endete am Dienstag morgen noch ergebnislos. Die SPD hielt strikt an ihrer kompromißlosen Haltung fest und ließ den Grünen nur die Wahl, zuzustimmen oder das Bündnis zu beenden. Nach quälenden Verhandlungen beschloß die Grünen-Fraktion am Dienstag nachmittag dann schließlich doch noch, dem Landeshaushalt in zweiter Lesung im Plenum nächste Woche zuzustimmen - und damit auch dem Ausbau des Dortmunder Flughafens nach den Vorstellungen der SPD grünes Licht zu geben.

Bei dem erbitterten Streit ging es - vordergründig - um zwanzig Millionen Mark, die im neuen Landeshaushalt als Zuschuß zum insgesamt hundert Millionen Mark teuren Ausbau des Flughafens vorgesehen sind. Bereits vor zwei Jahren hatte die Europäische Union zwanzig Millionen Mark aus eigener Kasse bewilligt. Voraussetzung war allerdings, daß das Land noch einmal den gleichen Betrag beisteuert. Die Grünen lehnten den Landeszuschuß zunächst rigoros ab und beriefen sich dabei auf den Koalitionsvertrag, in dem es heißt: "Das Land fördert künftig nicht mehr den Ausbau von Flughäfen und Verkehrslande- Plätzen."

Die SPD hingegen war von Anfang an der Ansicht, daß dies nicht für Vereinbarungen gelte, die bereits vor der Koalitionsbildung getroffen wurden. Im übrigen, so hob sie stets hervor, solle mit dem Geld ja nicht die Start- und Landebahn verlängert werden. Der Flughafen sei einfach zu klein geworden, sagt August Nunkesser, der Geschäftsführer der Flughafen Dortmund GmbH. Die Passagierzahlen hätten sich in den vergangenen fünf Jahren von 100 000 auf heute 400 000 vervierfacht, davon seien achtzig Prozent Geschäftsleute.

Deswegen verweisen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und die SPD auch auf die standortsichernde Wirkung des Flughafenausbaus, der vor allem eine Verbesserung der Infrastruktur vorsieht: ein neues Parkhaus, neue Zufahrten, ein größeres Abfertigungsterminal, mehr Stellplätze für Flugzeuge sowie Investitionen in die Flugsicherheit.

"Für uns Sozialdemokraten steht außer Frage, daß eine moderne Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft, wie wir sie in Nordrhein-Westfalen haben, eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur braucht", erklärte Ministerpräsident Johannes Rau auf dem SPD-Landesparteitag vergangene Woche. Dazu gehörten "auch leistungsfähige Straßen und Flughäfen". Auch den Grünen geht es um eine grundsätzliche Frage: "Machen wir eine Politik des Weiter-so, oder gibt es eine wirkliche Wende?", wie es Fraktionssprecherin Gisela Nacken formuliert.

Die Turbulenzen machen eines deutlich: Nun rächt sich, daß die Partner in ihrem Koalitionsvertrag vor allem in der Verkehrspolitik zu viele Formelkompromisse geschlossen und etliche Streitfragen ausgeklammert haben. Mittlerweile versucht nämlich jeder der beiden Koalitionäre, die offenen Fragen möglichst rasch im jeweils eigenen Sinne zu entscheiden.