Wenn vor zehn Jahren ein weiser Mensch vorausgesagt hätte, daß bei der Rettung des blauen Planeten einst ein gelber Sack die Hauptrolle spielen würde - er wäre für verrückt erklärt worden. Inzwischen aber macht kein anderes Öko-Thema soviel Furore wie grüner Punkt und gelber Sack. Stinkende Fischdosen oder klebrige Joghurtbecher - nirgendwo sonst gehören sie hin als in diese Errungenschaft deutschen Erfindungsgeistes: einfach und genial, diese Symbiose zwischen Mensch und Sack.

Zugegeben, das System hat noch kleinere Mängel. Ist es wirklich wegweisend, das Volk der Dichter und Denker zu einem Volk von Müllsortierern umzuerziehen? Oder: Warum werden die schönen gelben Säcke samt Inhalt schließlich in Stahlwerken verbrannt, während den eigentlichen Müllöfen der Nachschub fehlt? Und schließlich: Warum muß der müllsortierende Bürger am Ende immer mehr zahlen - für Punkt und Sack, aber auch für den gewöhnlichen Müllmann?

Doch wegen solcher Kleinigkeiten wieder ohne gelben Sack leben zu wollen, wie es dem Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt vorschwebt, wäre doch ein wenig spießig, oder?