Ein Bild für die Götter. Wie sie da alle in die Kamera lächelten in ihren bunten maßgeschneiderten Thai-Seidenhemdchen, der dicke Kanzler, der lange Chirac, der steife Major - umringt von ihren zierlichen asiatischen Amtskollegen. Thailands Regierungschef hatte einen Coup gelandet, alle die mächtigen Staatenlenker aus Europa und Asien liefen Schau für die Leistungsfähigkeit der einheimischen Seidenindustrie und die Kunstfertigkeit der Schneider Bangkoks.

Es ging auf dem Euro-Asiatischen Gipfel um Wirtschaft. Für Diskussionen störender Themen, wie etwa Menschenrechte, blieb keine Zeit. Zeit genug hatten die Herren allerdings für symbolische Gesten - der eine beklatschte den Vertrag für ein Kraftwerk, der andere hielt mit einem Stahlwerk dagegen. Wer dies bedauert, sollte eines bedenken: Je mehr die Europäer in Asien investieren, desto häufiger können sie unverzollt ihre Wertvorstellungen mitbringen - zumindest in die Betriebe. Und irgendwann kommen die Asiaten ja auch mal nach Bonn. Dann schlägt die Stunde des Kanzlers: T-Shirts von Trigema, Sakkos von Boss und Handys von Siemens werden fernsehgerecht als Gastgeschenke verteilt. Bitte lächeln, die Herren!