MAGDEBURG. - Klaus Almstädt ist enttäuscht. "Fast erschüttert" sei er gewesen, als er kürzlich einige Lehrer aus der Region gefragt habe, wie die Bewohner Sachsen-Anhalts korrekt genannt werden müßten. "Von 23 gaben 22 eine falsche Antwort", sagt der Germanist ärgerlich: "Sachsen-Anhaltiner." Almstädt ist Sprachberater an der Martin-Luther-Universität und muß es wissen: "Die Landesregierung hat 1993 im Landeshauptarchiv 2700 alte Urkunden sichten lassen und hat ausschließlich die Formen ,Anhalter` und ,anhaltisch` gefunden." Anhaltiner hingegen sind die Mitglieder des Fürstengeschlechts.

Die regionalen Zeitungen hielten sich zwar konsequent an die korrekte Bezeichnung, doch in der Alltagssprache hat sich fast überall die falsche Form durchgesetzt. Zum einen plage die Sachsen-Anhalter die Furcht, mit Trampern verwechselt zu werden, glaubt Almstädt, und zum anderen würden sie mit Neubildungen aus der Werbung überflutet ("Anhaltiner Leberkäse"), die versuche, das neugewonnene Heimatgefühl für kommerzielle Zwecke auszunutzen. Außerdem spiele die Identitätssuche des erst seit fünf Jahren bestehenden Bundeslandes eine Rolle. Klaus Almstädt kämpft: "Am Dessauer Hauptbahnhof steht ein großes Hinweisschild ,Zum Anhaltinischen Theater`. Einen Katzensprung davon entfernt ist das Theater. Dort steht es dann natürlich richtig", dank Almstädt.

Vor zwei Jahren beriet sogar das Kabinett über die Frage: Ein Beschluß erging nicht, aber in einer internen Vereinbarung wurde den Landesbediensteten empfohlen, die umstrittenen Formen einfach zu vermeiden und durch "Bürger Sachsen-Anhalts" oder "Bürger in Sachsen-Anhalt" zu ersetzen.