Europa wird grüner. In den nächsten Monaten werden in vielen Ländern die Tankstellen der amerikanischen Mobil Oil auf die Farbe der britischen BP umgespritzt, weil sich die beiden Unternehmen darauf verständigt haben, ihre Geschäfte in der Europäischen Union, der Schweiz, der Türkei, auf Zypern sowie in ganz Osteuropa und Rußland westlich des Urals künftig gemeinsam zu führen.

Ziel dieses big deals ist es, zusammen jährlich zwischen 400 und 500 Millionen Dollar einzusparen. Dabei wird die BP bei den derzeit insgesamt 8900 Tankstellen - 5600 BP, 3300 Mobil - sowie beim Heizölvertrieb die Federführung übernehmen, Mobil hingegen Operator für das Schmierölgeschäft sein.

An Deutschland wird die "grüne Welle" vermutlich fast ohne Spuren vorübergehen. Weil Mobil in der Bundesrepublik keine eigenen Stationen unterhält, wird der aufmerksame Beobachter die Neuordnung allenfalls daran erkennen können, daß es an den BP-Stationen künftig auch Motorenöl von Mobil geben wird.

Dabei ist Deutschland für Mobil keineswegs Niemandsland. Denn der amerikanische Konzern ist mit 28 Prozent am größten Tankstellennetz des Landes - der Aral AG - beteiligt. Partner bei Aral sind mit 56 Prozent die Veba und mit 15 Prozent die BASF-Tochter Wintershall. Und die sollen demnächst damit leben, daß ihre blau-weißen Stationen aus Raffinerien beliefert werden, bei denen der Konkurrent BP das Sagen hat.

Da liegt es natürlich nahe, daß wieder einmal heftig über eine Zerschlagung des Aral-Bundes spekuliert wird. Diese Aufgabe hatte sich bereits 1984 das Bundeskartellamt gestellt. Es sah in der Zusammenarbeit dreier Mineralölunternehmen

bei Aral eine Wettbewerbsbehinderung und verfügte deshalb die Auflösung der gemeinsamen Vertriebsgesellschaft. Aber das Berliner Kammergericht schmetterte die Kartellamts-Verfügung ab. Dies freilich nicht deshalb, weil es den Vorwurf der Wettbewerbsbehinderung für widerlegt hielt, sondern aus Gründen des Vertrauensschutzes. Die Aral-Partner wiesen darauf hin, daß ihnen das Kartellamt in Kenntnis des umfangreichen Aral-Vertragswerks 1967 bescheinigt habe, der gemeinsame Vertrieb verstoße nicht gegen das Kartellgesetz.

Noch ehe der Rechtsstreit damals endgültig zugunsten von Aral entschieden war, dachten die Partner freilich intensiv über eine Scheidung nach. Vor allem dem damaligen Veba-Chef, Rudolf v. Bennigsen, wäre eine Trennung durchaus recht gewesen. Er war immer ein Freund klarer Verhältnisse und schätzte es überhaupt nicht, die Macht mit Dritten teilen zu müssen.