Als der Deutsche Aktienindex (Dax) jetzt erstmals in seiner Geschichte die Marke von 2500 Punkten übersprang, brach in den Börsensälen kein Jubel aus. Wie sich später zeigte, war die verhaltene Reaktion gut begründet. Der Index tat sich zunächst schwer, dieses Niveau zu halten. Bei den gestiegenen Kursen häuften sich die Gewinnmitnahmen. Vor allem institutionelle Anleger hoffen, preiswerter wieder einsteigen zu können. So gibt es Börsianer, die einen Dax-Rückschlag auf unter 2400 nicht ausschließen. Eine solche Spekulation ist aber nicht ungefährlich, denn die Vorgaben für einen stabilen Aktienmarkt sind weiterhin gut. Beflügelt wird die Börse vor allem durch den stärkeren Dollar, aber auch durch wieder sinkende Zinsen in den Vereinigten Staaten, die den deutschen Rentenmarkt gegenwärtig nach unten absichern.

Wenig rosig sind dagegen die Aussichten der Bankaktien. Experten gehen davon aus, daß die Bankabschlüsse für 1996 kaum besser aussehen werden als im Vorjahr. Im Kreditgeschäft bleiben die Zinsmargen unter Druck. Bisher deutet auch nichts darauf hin, daß die Provisionseinnahmen wesentlich steigen werden. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, wenn die Anleger weiter zyklische Aktien bevorzugen, also vor allem Gesellschaften der Chemie- und der Autoindustrie. Hoechst erreichte kürzlich sogar einen neuen historischen Höchstkurs. Bei den Autoaktien kam es zeitweise zu Gewinnmitnahmen, besonders bei VW, wo nach dem erstaunlichen Aufwärtstrend in diesem Jahr einige Broker das Papier von "Kaufen" auf "Halten" zurückgestuft haben. Im übrigen drückten die neuen Besteuerungsvorschriften für die private Nutzung von Dienstwagen auf die Stimmung.

Nicht ganz ohne Sorge sehen einige Börsianer den bevorstehenden Unternehmensabschlüssen für das Jahr 1995 entgegen. Sie werden zeigen, ob die optimistischen Gewinnschätzungen, auch für die Jahre 1996 und 1997, realistisch sind. Wie empfindlich die Reaktionen ausfallen können, zeigte sich bei der Fielmann AG. Der Brillenhersteller steigerte 1995 den Gewinn vor Steuern zwar um fast 43 Prozent. Allein der Hinweis, dieser Zuwachs werde 1996 geringer ausfallen, reichte aus, um den Fielmann-Kurs zweistellig sinken zu lassen.