Scheidung auf wienerischSeite 2/2

Die meisten großen Baukonzerne gehören in Österreich ohnedies den Kreditinstituten - etwa der Bank Austria (Porr), der Creditanstalt (Universale) oder der Raiffeisen-Zentralbank (Era-Bau). Zugleich sind die drei Institute die wichtigsten drei Gläubigerbanken von Maculan. Ein Konkurs von Maculan würde zwar den Baufirmen passen, aber die enormen Kreditausfälle würden den Banken nicht schmecken. Daher wollen die Institute Problemfirmen am liebsten in ihr System "einpassen". Dafür gibt es typische Mechanismen: So stieg erst vor wenigen Wochen die GiroCredit, Nummer drei im Bankensektor, bei der maroden Linzer Baufirma Mayreder ein, behielt ein Viertel selbst und überantwortete den Rest für einen Schilling einem Salzburger Autoimporteur. In anderen Fällen haben die Banken treuen Kunden mit Solvenzproblemen einfach ein anderes Unternehmen zum Freundschaftspreis überlassen.

Kritiker Soravia glaubt auch nicht an die Objektivität der Banker: "Die versichern uns zwar immer, daß ihre Entscheidungen mit den eigenen Baufirmen nichts zu tun haben." Doch damit sei es nicht weit her. So blieben die Baufirmen der Bank Austria und der Creditanstalt, die Soravia zur Beteiligung an der Maculan-Auffanggesellschaft gewinnen wollte, lieber unter sich. Daß der Außenseiter Bau Holding es nicht schaffte, bei dem Spiel mitmachen zu dürfen, heißt aber noch lange nicht, daß es nicht stattfindet. Die Firma Porr, Tochter der SPÖ-dominierten Bank Austria, die in den Sanierungsverhandlungen von allen die härteste gewesen war, hat schon offen ihr Interesse an der "Rettung der Arbeitsplätze" angemeldet. Vorher hatte Bundeskanzler Franz Vranitzky dekretiert, Maculan dürfe nicht einfach in Konkurs gehen. Soravia hält es sogar für möglich, daß das quälend lange Zögern der österreichischen Banken, als es um eine Strategie zur Sanierung des gesamten Maculan-Konzerns ging, "schon die Strategie selber" gewesen sein könnte. Dann hätten die österreichischen Banken die Deutschen bewußt hingehalten und damit hinters Licht geführt.

Der Wiener Standard zog aus einer anderen Warte heraus die nationale Karte: In Deutschland, so das Blatt, kämen "antiösterreichische Ressentiments zum Vorschein". Medien, Betriebsräte und Politiker "stempelten" die Österreicher zu Sündenböcken.

Alexander Maculan, der seinem ersten Zorn nach dem Ausstieg der Banken auch öffentlich freien Lauf gelassen hatte, nimmt in diesen Tagen ebensowenig Stellung wie die meisten anderen Beteiligten. Die 2500 Arbeitsplätze bei Maculan in Österreich müssen gerettet werden. Die Zeit zum Schimpfen und Analysieren ist offenbar schon wieder vorbei - und der aufmüpfige Baulöwe Alexander Maculan gezähmt.

 
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