Wenn Kinder allein fliegen

Schon im Alter von fünf Jahren dürfen Kinder allein auf große Fahrt gehen. Die Fluggesellschaften machen es möglich: Sie betreuen die Nachwuchspassagiere vom Einchecken bis zu Zielflughäfen in aller Welt.

Im Fliegerjargon heißen die solo reisenden Kinder UM (Unaccompanied Minors). Sie fliegen unbegleitet zum Onkel nach Amerika oder pendeln am Wochenende zwischen ihren geschiedenen Eltern hin und her. Längst ist es nicht mehr nur der Nachwuchs des Hoch- oder Geldadels, der "mutterseelenallein" um den Globus jettet. "Die größte Zahl sind Kinder, die in den Schulferien verreisen", sagt Gesine Kattke, die die Betreuungsstation der Lufthansa am Frankfurter Flughafen leitet. An Spitzentagen im Sommer werden dort bis zu 700 unbegleitete Kinder gezählt. Allein hier betreute die Lufthansa im vergangenen Jahr 42 216 Kinder, rund ein Drittel mehr als noch 1994.

Anzeige

Wer mindestens fünf Jahre alt ist, kann am Check-in-Schalter in die Obhut der Fluggesellschaft gegeben werden. Für die lückenlose Betreuung des Nachwuchspassagiers bis zum Zielflughafen sorgt Gesine Kattke mit zahlreichen Erzieherinnen, Pflegerinnen und Flugbegleitern. Auch das Umsteigen oder der Wechsel zu anderen Fluggesellschaften werden organisiert.

Probleme sind selten. Den minderjährigen Passagieren ist Flugangst normalerweise völlig fremd, "außerdem sind sie", so Gesine Kattke, "von ihren Eltern gut vorbereitet". Viele Schützlinge der Lufthansa gehören bereits zur Kategorie der Vielflieger und sammeln fleißig Miles-and-More-Punkte auf ihrer Bonuskarte. Das Gros ist zwischen sieben und neun Jahren alt. Erst mit zwölf dürfen Kinder allein und ohne spezielle Betreuung durch die Fluggesellschaft abheben, doch bis zum achtzehnten Lebensjahr kann eine Betreuung durch die Fluggesellschaft gebucht werden.

Die Lufthansa verlangt für diesen Service unabhängig von der Entfernung fünfzig Mark zusätzlich zum normalen Flugtarif. Bei gemeinsam reisenden Geschwistern ist die Gebühr nur einmal zu entrichten. Schon bei der Flugbuchung müssen Name, Adresse und Telephonnummer des Abholers genannt werden, damit der junge Passagier am Zielort in die richtigen Hände übergeben wird.

Auch Kinder unter fünf Jahren können ohne ihre Eltern reisen, aber nur mit einer von der Lufthansa gestellten Begleitperson. Sie eskortiert das Kind persönlich vom Start bis zum Ziel. Für diese besonders aufwendige Betreuung wird als Aufpreis allerdings ein Rückflugticket zum Business-Tarif fällig.

Die UM-Betreuung hat bei der Lufthansa jahrzehntelange Tradition. Schon 1968 wurde sie unter dem Titel Rotkäppchen-Service ins Leben gerufen. Dagegen hat die Deutsche Bahn dergleichen bis heute nicht zu bieten. Gegenwärtig empfiehlt die DB Kindern das Reisen ohne Begleitung, wenn sie "ihren Schulweg alleine meistern". Sie sollten die Heimat- und Zieladresse - beispielsweise in einem Brustbeutel - bei sich tragen. In größeren Städten helfen die Bahnhofsmissionen allein reisenden Kindern beim Umsteigen oder Abholen. Wenn das Kind in den Zug gesetzt wird, sollte - so rät die Bahn - der Schaffner verständigt werden.

Doch für sorgenvolle Eltern ist der jetzige Zustand keine besonders einladende Perspektive. Das haben offenbar auch die Eisenbahner erkannt. Nach Auskunft der DB-Zentrale in Frankfurt wird intern über einen besseren Service nachgedacht. Wie die Betreuung von unbegleiteten Kindern auf Schienen aussehen und was sie kosten soll, will die Bahn aber noch nicht verraten.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service