So bizarr der amerikanische Vorwahlkampf bisher auch wirkte, seine Ergebnisse leuchten ein. Robert Dole konnte seine republikanischen Konkurrenten aus gutem Grund abschütteln. Weder der millionenschwere Verleger Steve Forbes noch der demagogische Publizist Pat Buchanan hatten die Favoritenrolle je verdient. Die Mehrheit der Wähler stimmte für die Vernunft.

Der Einheitssteuersatz, den Forbes propagierte, mochte auf den ersten Blick als Königsweg in ein Niedrigsteuerparadies erscheinen. Beim Nachrechnen begriffen die meisten, daß ihnen die flat tax nicht mehr in ihre Geldbörse brächte. Auch die von Buchanan heraufbeschworenen Gefahren einer Neuen Weltordnung verfehlten ihre Wirkung. Einige Ultranationalisten mögen tatsächlich UN-Soldaten im Lande aufmarschieren sehen. Viele von Buchanans Anhängern aber sind einfach nur verängstigte, um ihre Arbeitsplätze bangende Durchschnittsamerikaner, die nicht gleich ein Bollwerk um die Vereinigten Staaten errichten wollen.

Dole hat sich als der eigentliche Konservative behauptet - im Sinne von Edmund Burke, der das Bewahrende nicht als Ideologie sehen mochte. Wenn es für ihn, der unfähig ist zur "Vision", bei der bevorstehenden Wahl um Amerika, um Werte, um die Familie geht, dann offenbart sich darin seine Abscheu vor abstrakten Gesellschaftstheorien, die so leicht in unmenschliche Experimente ausarten können. Revolutionen sind traditionell Sache der Linken, seit kurzem auch der Neuen Rechten, nicht aber die des altgedienten Senators aus dem Mittleren Westen.

Das frühe Ende der Kandidatenkür erlaubt dem Senator, sich auf seinen eigentlichen Gegner zu konzentrieren. Bob gegen Bill heißt von nun an das Duell. Hinter den Wahlkämpfern verbergen sich zwei Politiker, die trotz des Altersunterschiedes viel gemeinsam haben. Dole wie Clinton kritisieren den Staat, verteufeln ihn aber nicht. Beide hegen Skepsis gegenüber dem politischen Kuhhandel, scheuen aber trotzdem nicht vor dem Kompromiß zurück. Beide möchten internationale Verstrickungen vermeiden, halten aber den Isolationismus schlicht für eine Dummheit.

Nun beginnt der lange Kampf ums Weiße Haus. Bis zum Spätherbst kennen die Kandidaten nur: Amerikaner. Auch die geringste außenpolitische Entscheidung wird allein mit Blick auf ihre innenpolitische Wirkung gefällt werden.