Die Politik hat großen Einfluß auf die Finanzmärkte - und umgekehrt. So rufen selbst die Präsidentschaftswahlen einen neuen Finanzmarkt hervor: Fast 6000 Spekulanten haben in diesem Jahr 145 000 Dollar in den Iowa Political Market investiert. Das ist eine elektronische Börse im Internet, an der Investoren nicht mit Aktien oder Anleihen handeln, sondern mit dem Schicksal von Präsidentschaftskandidaten.

Das Konzept ähnelt dem herkömmlicher Sportwetten. Ein "Kandidaten-Kontrakt" garantiert die Rückzahlung von einem Dollar, wenn der betreffende Bewerber die Wahlen tatsächlich gewinnt. Falls er jedoch über eine alte Liebschaft stolpert oder aus anderen Gründen verliert, verfällt der Kontrakt, und der Spekulant verliert seinerseits auch - nämlich den ganzen Betrag. Die Märkte favorisieren zur Zeit eine Wiederwahl des Amtsinhabers. "Clintons" werden mit 52 Cent gehandelt, 14 Cent höher als die Aktien des Republikaners - wer auch immer das am Ende sein wird.

Die Wahlbörsen sind die Erfindung einer Gruppe von Professoren der Universität von Iowa. Sie reagierten darauf, daß Meinungsumfragen die Ergebnisse nationaler Wahlen in Amerika ganz und gar nicht präzise vorhersagen. Ihr Ziel war es, festzustellen, ob Märkte und damit der Reiz des Geldes präzisere Vorhersagen ermöglichen. Tatsächlich scheinen sie das zu können: Bei den beiden vergangenen Präsidentschaftswahlen lagen die Iowa-Börsen nur um 0,2 Prozentpunkte daneben. Die bekanntesten Meinungsforscher schossen dagegen um einen Prozentpunkt am Ziel vorbei. "Während Meinungsumfragen nach den Gesetzen der Statistik arbeiten, läßt die unsichtbare Hand Adam Smiths die politische Börse funktionieren", resümiert Wirtschaftsprofessor Robert Forsythe, der das Projekt betreut.

Obwohl der Umsatz mit ein paar tausend Dollar am Tag gering ausfällt, läßt sich eine Menge gewinnen. Bei den "Clintons" beispielsweise sind fast hundert Prozent Gewinn drin, wenn der Präsident es noch einmal schafft. John Martin, Aktienhändler aus San Francisco, kauft gleichzeitig "Republicans" und "Democrats", obwohl natürlich nur einer gewinnen kann. Seine Rechnung: Der Gesamtpreis liegt bei neunzig Cent; wenn einer der beiden gewinnt - nach Geschichte und Statistik fast garantiert -, macht er einen Gewinn von zehn Cent, eine Rendite von elf Prozent. Der Markt glaube zu stark an die Chancen eines unabhängigen Dritten, meint Martin.

Zwar darf kein Spekulant mehr als 500 Dollar einsetzen, trotzdem lag die höchste Summe, die ein Teilnehmer bei früheren Wahlbörsen je verdient hat, bei 3300 Dollar, die höchste Rendite bei 1133 Prozent. Andererseits, fügt der Initiator Forsythe hinzu, sei es auch schon vorgekommen, daß ein Investor nur sieben Cent von seiner Gesamtinvestition in Höhe von 500 Dollar zurückbekommen habe. An der Iowa-Börse geht es zu wie im politischen Leben - wie gewonnen, so zerronnen.