ZEIT: Herr Fischler, wie fühlen Sie sich als der Brüsseler Kommissar, der das meiste Geld der Steuerzahler und Verbraucher ausgibt? Fischler: Ich gebe das Geld nur im Auftrag der Mitgliedstaaten aus, und ich achte darauf, daß es sparsam und korrekt verwendet wird. ZEIT: Es geht um 72 Milliarden Mark im Jahr, das ist doch verdammt viel.

Fischler: Nicht, wenn Sie es im Vergleich zu den Budgets der Mitgliedstaaten sehen.

ZEIT: Trotzdem: Kann sich Europa so gewaltige Agrarausgaben überhaupt leisten?

Fischler: Das ist nicht allein die Frage, sondern auch, was man für das Geld bekommt. Wenn Sie die Agrarausgaben auf die landwirtschaftliche Fläche umrechnen, dann merken Sie, daß wir hier in Europa mit einer relativ bescheidenen Summe eine einmalige Kulturlandschaft geschaffen haben. Überlegen Sie mal, was es kosten würde, wenn die öffentliche Hand anfinge, selbst Landschaftspflege zu betreiben.

ZEIT: Wollen Sie etwa behaupten, die Bauern seien Umweltschützer? Der Artenschwund zum Beispiel geht doch primär auf ihr Konto.

Fischler: In der Tat, vor der Agrarreform von 1992 haben wir viel Geld ausgegeben, um die Agrarpreise künstlich hochzuhalten, dadurch haben wir die Bauern veranlaßt, nicht mit der Natur zu wirtschaften, sondern gegen sie. Die Reform hat aber eine Trendumkehr eingeleitet.

ZEIT: Wirklich?