Wolfgang Hoffmann: "Süße Pillen", ZEIT Nr. 13

Bei einer Anhörung im Bundestag (Februar 1996) war nicht ein einziger Experte in der Lage, die ausschließlich von Schmidtbauer vertretene Behauptung zu stützen. Im Gegenteil: Die Vertreter der Krankenkassen haben ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die von der AOK vor einigen Monaten veröffentlichten Zahlen über die Mehrausgaben nicht mehr in der offiziellen Stellungnahme der Krankenkassen enthalten seien.

Wie sollten sie auch! Da die Arzneimittelausgaben auf Dauer budgetiert sind, kann es lediglich zu einer Umverteilung innerhalb des Budgets kommen, wenn für künftige Arzneimittel mit patentgeschützten Wirkstoffen keine Festbeträge mehr gebildet werden können.

Geradezu unerträglich ist die Behauptung, die Firmen würden sich veranlaßt sehen, schlichte Molekülvariationen als Neuheiten zu verkaufen. Das ist betriebswirtschaftlicher Nonsens. Die forschenden Arzneimittelhersteller erforschen, entwickeln und produzieren Arzneimittel für den Weltmarkt. Lediglich Arzneimittel, die einen therapeutischen Fortschritt darstellen, haben eine Chance, sich auf dem internationalen Makt zu bewähren, und allenfalls die drei ersten Präparate eines Wirkprinzips verdienen ihre Forschungsaufwendungen zurück. Schlichte Variationen bringen aus unternehmerischer Sicht nichts.

Prof. Dr. Frank E. Münnich (Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V.), Bonn