Wenn Menschen Rindfleisch meiden, wer ist schuld? Die Medien, meinen Brüsseler Beamte über "eine von Journalisten entfachte Hysterie". Wenn Gerhard Schröders privates Glück zum öffentlichen Unglück wird, wer ist schuld? Siehe oben. Und am Flugzeugabsturz in der Karibik? Hier tragen die Medien gleich dreifache Schuld: am Vorwurf der Schlamperei (so die betroffene Fluggesellschaft), im Umgang mit den Hinterbliebenen (so der betroffene Ministerpräsident Stolpe) und am Tod von 189 Menschen (so die betroffene Reisebürobranche.

Die ZDF-"WiSo"-Redaktion hatte zuvor einen Reisepreistest gesendet.

Darin schnitt zwar der betroffene Veranstalter Öger-Tours als der teuerste ab, aber was macht das schon.)

Die Medien sind zum Watschenmann der Nation geworden, nicht Bild, nicht Bunte, nicht stern oder Spiegel, die Medien sind's. Niemand sonst trifft auf eine vergleichbare Pauschalschelte. Wird mal ein Flug gestrichen, war es nicht die Luftfahrt, sondern die Lufthansa.

Bricht ein Regal zusammen, war es nicht die Möbelindustrie, es war Ikea. Kommt aber Unerfreuliches heraus, schimpft man auf die Medien. Oder, wie der wackere CSU-Gottlieb, Chef des Bayerischen Fernsehens, klagt: Der Dokumentar wird zum Täter. Eleganter stöhnte da nur Prinz Philip im Sudan: Sie haben die Moskitos, wir haben die Presse. Immerhin differenziert Philip noch zwischen Presse und Medien. Für England mag das ja gelten. Privates Fernsehen sendet dort auf anderem Niveau. Was drunter ist, erledigt die Gossenpresse. Bei uns ist es umgekehrt.

Wahre Meisterschaft in Medienschelte bescheren uns regelmäßig, so gegen Wochenende, die Ballkünstler Beckenbauer und Matthäus.

Was sie zuvor in Bild schreiben ließen, dementieren sie später mit empörter Geste. Wieder einmal haben die Medien: mißverstanden, hochgespielt, verfälscht. Der jeweilige Vorwurf ist schnell gefunden, das Forum ohnehin: die Medien selber.