Mehr als die Hälfte ihres Lebens hat Schwester Lauda vom katholischen Missionsorden vom Kostbaren Blut in Afrika gearbeitet, zuletzt als Aidskoordinatorin in der Diözese Moshi in Tansania. Weil sie in Ordenstracht mitgeholfen hat, Kondome an Prostituierte zu verteilen, wurde ihr Arbeitsvertrag vom Bischof nicht verlängert. Heute lebt die 58jährige, die den Orden inzwischen verlassen mußte, unter ihrem bürgerlichen Namen Majella Lenzen wieder in der Nähe von Aachen und kämpft um die Sicherung ihres Lebensunterhaltes.

Nur "einmal in meinem Leben", im Januar 1992, habe sie Kondome verteilt, sagt Schwester Lauda. Und das, da ist sie sich sicher, sei der Grund dafür, daß ihr Vertrag nicht verlängert wurde. Seit 1990 hatte sie in der afrikanischen Diözese gearbeitet und dort eine Kirche zu einem Aidszentrum, dem Rainbow Center, umgebaut, in dem Gesundheitsberater für die ganze Region ausgebildet und Lehrer und Priester mit dem Problem Aids vertraut gemacht wurden.

Sie selbst, sagt sie, habe nie "Werbung für Kondome" gemacht, sehr wohl aber während ihrer Gesundheits- und Aufklärungskurse darauf hingewiesen, daß Kondome vor einer Übertragung des Aids-Virus schützen. Das Projekt in Tansania wurde mit Spenden unterstützt, Schwester Lauda konnte Hilfsorganisationen wie Misereor und die Wiener Dreikönigsaktion für das Rainbow Center gewinnen.

Im August 1993 kam die unerwartete Nachricht: Die Generaloberin des Ordens vom Kostbaren Blut, Manuela Randerath, erklärte Schwester Lauda nach einer Visitation in Moshi, man habe in Tansania keine weitere Verwendung für sie. Einzige Begründung: Der Bischof von Moshi, Amadeus Msarikie, beabsichtige nicht, ihren im Januar des Jahres 1994 auslaufenden Arbeitsvertrag als Aidskoordinatorin zu verlängern. Für Schwester Lauda brach eine Welt zusammen. Tagelang bemühte sie sich erfolglos um eine Audienz beim Bischof, um die Gründe der "Kündigung" zu erfahren. Doch der Bischof hatte keine Zeit für ein Gespräch.

Noch während des Wartens und der Ungewißheit über die berufliche und persönliche Zukunft erreichte Schwester Lauda ein Brief von ihrer 81jährigen Mutter, die schwer erkrankt war. Mit Erlaubnis des Bischofs und in Absprache mit der Generaloberin reiste sie nach Deutschland, um sich um ihre Mutter zu kümmern. Nach Afrika, das ahnte sie bei ihrem Abflug vor fast drei Jahren nicht, sollte sie nicht wieder zurückkehren.

Erst in Deutschland erfuhr sie den eigentlichen Grund für die Nichtverlängerung ihres Arbeitsvertrages - durch ein Gespräch, das ein Bekannter zufällig in Rom mit Prälat Anthony Kwami Adanuty von der römischen Glaubenskongregation "Propaganda Fide" führte.

In diesem Gespräch hatte der Prälat erklärt: "Hätte Schwester Lauda die Kondome nicht in Ordenstracht ausgeteilt, hätten wir nichts unternommen. In Ordenstracht repräsentiert sie die Kirche, da darf sie keine Kondome austeilen." Wie Rom von der Aktion überhaupt Kenntnis erhielt, ist Schwester Lauda bis heute ein Rätsel.